Herzlich Willkommen beim Blog des LWL-Museums für Archäologie!

Hier gibt's Neuigkeiten rund um das Museum und einen Blick hinter die Kulissen.

 

Das Team des LWL-Museums für Archäologie in Herne wünscht viel Spaß beim Stöbern und würde sich über ein Feedback sehr freuen.

Das Team des WDR, Christoph Hirt (hinten rechts) und Museumslieter Josef Mühlenbrock (Mitte). (Foto: S. Maus/LWL-Museum für Archäologie)

Vom Acker in die Vitrine

Bochumer entdeckt Beil der Jungsteinzeit

Was bringt einen Sondengänger, einen Museumsleiter und ein Kamerateam des WDR auf einem Acker in Bochum-Stiepel zusammen? Es ist ein Fund der ganz besonderen Art, der gleich vom Acker in die Vitrine wandert: ein über 6000 Jahre altes Beil aus der Jungsteinzeit.

Schon im Alter von 15 Jahren weckte ein Zufallsfund im Bochumer Christoph Hirt das Interesse an der Archäologie: Beim Aufsammeln von Golfbällen auf einem Acker entdeckte er eine Münze, die, wie sich später herausstellte, aus dem Dreißigjährigen Krieg stammte. Heute, 25 Jahre später, ist Christoph Hirt ehrenamtlich als „lizensierter“ Sondengänger tätig. Das heißt, er hat sich bei den entsprechenden Denkmalbehörden und der LWL-Archäologie für Westfalen registrieren lassen und besitzt somit eine „Lizenz zum Suchen“. In seiner Freizeit geht er mit einem Metalldetektor über die Äcker in Bochum-Stiepel und sucht nach Metallfunden, die er dann von den Archäologen der LWL-Archäologie für Westfalen bestimmen lässt.

Christoph Hirt berichtet von seinem Fund vor dem Kamerateam des WDR. (Foto: S. Maus/LWL-Museum für Archäologie)

Als er Anfang April dieses Jahres über einen frisch eingesäten Acker ging, war es aber nicht die Sonde, die anschlug und einen Metallfund anzeigte, sondern mit bloßem Auge machte Christoph Hirt einen länglichen hellbraunen Gegenstand in dem vom Regen feuchten Boden aus. Als er ihn aufhob und über die spiegelglatte Oberfläche strich, war ihm klar, dass er einen ganz besonderen Fund vor sich hatte. „Feuerstein fällt sofort auf“, erklärt Christoph Hirt, „besonders, wenn der Regen die Funde auf der Oberfläche freigelegt und saubergewaschen hat.“

Als sich Steinzeit-Experten der LWL-Archäologie in Olpe und Münster den Fund anschauten, stand schnell fest: Es handelt sich um ein Beil der sogenannten Michelsberger Kultur. Vor über 6000 Jahren hatte man das Werkzeug zum Baumfällen aus Feuerstein gearbeitet. Das Material stammt aus einem über 200 Kilometer entfernten Bergwerk in der Nähe des niederländischen Ortes Rijkholt. Dort hatte man schon in der Steinzeit in bis zu 12 Meter tiefen Schächten Feuerstein abgebaut.

Zeitlich hätte es nicht besser passen können. Denn der Neufund passt exakt in die neue Sonderausstellung „Revolution Jungsteinzeit“, die ab dem 24. Mai im LWL-Museum für Archäologie in Herne zu sehen sein wird. Diese archäologische Landesausstellung beschäftigt sich mit dem fundamentalen Wandel, der sich vor ca. 8000 Jahren hier in Nordrhein-Westfalen vollzog: Die Menschen wurden sesshaft, errichteten Siedlungen mit festen Gebäuden, begannen, Getreide anzubauen und Vieh zu züchten. Aber dafür mussten vorher die dichten Wälder gerodet werden. Und dabei kamen Beile wie der Fund von Christoph Hirt zum Einsatz.

Der Ablauf des Drehs wird besprochen. (Foto: S. Maus/LWL-Museum für Archäologie)

Diese Geschichte fand auch Carsten Koch, freier Mitarbeiter beim WDR, Studio Essen, höchst spannend. Um über den Weg des Beils vom Acker in die Vitrine zu berichten, verabredete sich das Filmteam mit dem Finder Christoph Hirt und dem Leiter des LWL-Museums für Archäologie, Dr. Josef Mühlenbrock, in Bochum-Stiepel.

Dort planten sie gemeinsam den Filmdreh. Zunächst demonstrierte Christoph Hirt noch einmal, wie er unter den vielen Steinen, die auf dem frischen Acker lagen, das Beil erkannt hatte.

In der Sonderausstellungshalle des LWL-Museums für Archäologie. (Foto: S. Maus/LWL-Museum für Archäologie)

Dann ging es ins LWL-Museum für Archäologie nach Herne, wo die Aufbau-Arbeiten für die Ausstellung „Revolution Jungsteinzeit“ gerade in den letzten Zügen ist. Dort demonstrierte Museumsleiter Josef Mühlenbrock, wie die Menschen der Jungsteinzeit aus einem Rohling aus Feuerstein eine Beilklinge geschliffen haben. Nur Wasser und ein Sandstein waren dazu als Werkzeuge nötig. Und Zeit. Denn um ein so glattes Beil wie das von Christoph Hirt zu erhalten, muss man in mühevoller Handarbeit den Feuerstein-Rohling ca. 20 Stunden lang auf dem angefeuchteten Schleifstein reiben.