Foto: LWL/Peter Jülich

Holografische Vitrinen: Die Technik der Vergangenheit modern präsentiert und einfach erklärt!

Faustkeil, Fibel, Tonlampe und viele andere Objekte aus vergangenen Epochen stellen unsere Besucher*innen immer wieder vor die Frage: Wie haben die das nur gemacht und wie hat das funktioniert?

Diese Frage wollten wir, zumindest bei ausgewählten Stücken, beantworten - und zwar anschaulich ohne lange Texte und Bildreihen. Bei der Recherche nach einem geeigneten Medium stießen wir auf die Möglichkeit einer Art holografischer Präsentation von Erklär-Filmen. Über oder neben dem Objekt schwebend bewegen sich scheinbar dreidimensionale Bilder und erläutern den Weg vom Rohmaterial zum Produkt. Ergänzend gibt es kleine Texte, die kurz und knapp die zum Verständnis notwendigen Informationen liefern.

Der Prototyp unserer „Holo-Vitrinen“ ist die Vitrine mit dem Faustkeil vom Fundort Herne Schleuse VI, eine freundliche Leihgabe des Ruhr Museums Essen. Bei den Bauarbeiten am Rhein-Herne-Kanal zu Beginn des 20. Jahrhunderts schnitten die Arbeiter in 13 m Tiefe an der Basis der Knochenkiese einen ehemaligen Lagerplatz der Neandertaler an und bargen 19 Steingeräte. Auch Tierknochen wurden neben den Steingeräten gefunden. Kleinste Gebrauchsspuren an den Steingeräten belegen, dass die Neandertaler mit ihnen Haut, Fleisch und Knochen geschnitten hatten.

Da der Faustkeil von der Schleuse VI als „Einzelstück“ in die Grabungslandschaft der Dauerausstellung eingebracht wird, bot sich hier die Gelegenheit, die Herstellung solcher Geräte zu verbildlichen.

 

Zunächst erstellten zwei Wissenschaftlerinnen aus unserem Hause ein Drehbuch, in dem sie die einzelnen Produktionsschritte aufschrieben und mit Skizzen bebilderten. Dieses ergänzten sie durch Fotografien und kleine Videoclips aus dem pädagogischen Bereich, die die Herstellung eines Faustkeils zeigen. Sämtliche Materialien und Ergebnisse wurden dann an die Medienfirma Puppeteers weitergebeben, die die Animation erstellen sollte. Nach der Sichtung des Infomaterials gab es noch etliche Fragen: Wie sieht denn der Stein wirklich aus? Womit hat man zugeschlagen? War die Reihenfolge der Schläge beliebig oder nicht? Und viele mehr. All diese Fragen konnten bei einem Termin besprochen und geklärt werden. Die Museumsmitarbeiterinnen reichten noch weiteres Bild- und Videomaterial weiter. Zudem gab es viele Telefonate. Ein erstes Ergebnis war schon vielversprechend, obwohl zunächst nur die groben Formen und Abläufe festgelegt waren.

Foto: Barbara und Norbert Großer

Während sich so – wie von Zauberhand – die Animation entwickelte, ging parallel dazu die Planung der Vitrine voran. Die Vitrinen „von der Stange“ passen nicht in unser gestalterisches Konzept der Dauerausstellung, und wir wollten auch die freie Sicht auf das archäologische Objekt weiterhin ermöglichen. So ist nach unseren individuellen Wünschen eine Holo-Vitrine entwickelt worden, die dann an ihrem Standort im Museum eingebracht wurde. Der darin präsentierte Faustkeil wurde um die holografische Animation und eine passende kleine Beleuchtung ergänzt. Dies ist nun der Prototyp für weitere Holo-Vitrinen, der gleich im Eingangsbereich die Blicke der Besucher auf sich zieht.

Im hinteren Teil der Dauerausstellung ist derzeit schon die Animation zur Filigranscheibenfibel von Soest zu sehen. Nur die Aufständerung der Fibel selbst und die Beleuchtung fehlen noch. Die fertige Installation wird voraussichtlich ab Ende April zu sehen sein. Danach folgt noch die Holo-Vitrine für die römische Tonlampe von Haltern am See und – wer weiß – vielleicht fallen uns ja noch ein paar weitere handwerklich besondere Stücke ein, die eine solche besondere Präsentation verdienen. Unser Schülerpraktikant hat sich schon auf die Suche gemacht …

Dr. Susanne Jülich