Herzlich Willkommen beim Blog des LWL-Museums für Archäologie!

Hier gibt's Neuigkeiten rund um das Museum und einen Blick hinter die Kulissen.

 

Das Team des LWL-Museums für Archäologie in Herne wünscht viel Spaß beim Stöbern und würde sich über ein Feedback sehr freuen.

Das Rasiermesser mit geritzter Schiffsdarstellung (Foto: C. Moors, LWL)

Schiff ahoi!

Mein Lieblingsobjekt:

Wie jeder Praktikant vor mir hatte ich die Möglichkeit, einen Beitrag zum Blog zu schreiben. So schlenderte ich mehrmals durch die Dauerausstellung und schaute mir die Ausstellungsstücke an. Doch es fiel mir nicht leicht, ein Lieblingsobjekt zu finden, da sie mich alle interessierten.

Aber dann sah ich es: ein Rasiermesser.

Aber warum ausgerechnet ein Rasiermesser, wenn man die Auswahl von Knochen, Münzen, Äxten und vielen anderen Objekten hat?

Wenn man genau hinsieht, kann man erkennen, was daran besonders ist.

Als ich bei der Inventarisierung der Ausstellungsstücke half, fiel mir das Rasiermesserchen schon auf. Doch als ich mehrmals durch die Dauerausstellung lief, weckte es immer mehr mein Interesse, soweit, dass ich es als mein Lieblingsobjekt bezeichnen kann.

Das Messer in der Dauerausstellung (Foto: C. Moors, LWL)

Aber was hat „Schiff ahoi“ mit einem Rasiermesser zu tun?

Es handelt sich hier um ein Rasiermesser aus Bronze, welches in der Bronzezeit hergestellt wurde. Von weitem sieht es wie ein ganz normales Rasiermesser aus. Aber wenn man genau hinsieht, sieht man etwas eingeritzt. „Was für eine Sauerei, wie kann man bloß etwas einritzen“, würde jetzt jeder wahrscheinlich denken, wenn er das hört. Aber nein, da steckt mehr dahinter!

Die eingeritzte Zeichnung zeigt ein Schiff – das war für Westfalen früher nicht typisch. Auf dem Rasiermesser sind waagerechte Linien zu erkennen, die Planken andeuten sollen.

Das Besondere daran ist, dass solche Schiffsdarstellungen eher aus dem nordischen Bereich bis Schweden bekannt sind. Es wird häufig auch die Besatzung des Schiffes skizziert, was hier nicht der Fall ist. Sondern es handelt sich hier wahrscheinlich um ein Treidelschiff, das man auf Kanälen oder kleinen Flüssen nutzen konnte.

Die Abbildung des Schiffs wurde mit einem spitzen Gegenstand eingeritzt. Dies war keine leichte Arbeit, da sie per Hand auf dem harten Material eingeritzt wurde. Dies zeigt uns Zielstrebigkeit und Ausdauer. Die Zeichnungen der Schiffe ist eine Wiedergabe vom Originalschiff und zeigt die wesentlichen Merkmale der bronzezeitlichen Schiffsdarstellung. Die Schiffsdarstellungen ist ein Ausdruck einer Bevölkerung, die mit dem Waser und der Segelfahrt vertraut ist.

Auch wenn es bei einem Rasiermesser nicht vorstellbar ist, handelt es sich hier um ein kleines künstlerisches bzw. historisches Meisterwerk. Dies ist nicht ohne Grund mein Lieblingsgegenstand der Dauerausstellung.

S.Kim (Schülerpraktikantin)

 

Literatur:

Capelle, Torsten: Kunst und Kunsthandwerk im bronzezeitlichen Nordeuropa (Neumünster 1974).

 

Anmerkung (Greta Civis): Bei dem beschriebenen Rasiermesser handelt es sich um ein Objekt aus Ibbenbüren, Kreis Steinfurt. Es stammt aus der Zeit um 800 v. Chr. Bronzezeitliche Schiffsdarstellungen werden insbesondere seit dem Fund der Himmelsscheibe von Nebra stark diskutiert und erforscht. Vielleicht erzählen sie uns etwas über die Geisteswelt der Menschen vor fast 3000 Jahren...