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Das Team des LWL-Museums für Archäologie in Herne wünscht viel Spaß beim Stöbern und würde sich über ein Feedback sehr freuen.

Öffentlicher Abendvortrag zu "Schliemann - Troja - Berlin"

„Schliemann – Troja – Berlin“

Öffentlicher Abendvortrag im LWL-Museum für Archäologie von Prof. Dr. Wemhoff

Am 18.10.2018 sprach Matthias Wemhoff im LWL-Museum für Archäologe. Der Direktor des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte und Landesarchäologe von Berlin hielt den letzten öffentlichen Vortrag zur Sonderausstellung „Irrtümer & Fälschungen in der Archäologie“. In dieser wurden unter anderem einige Stücke aus Berlin gezeigt, um Heinrich Schliemann, seine Arbeit und seine Zeit sowie die Diskussion um Schliemanns Grabungen zu illustrieren. Neben Keramik und einer großen Schliemann-Büste war eine Kopie des angeblichen „Schatz des Priamos“ zu sehen. Die Exponate sind nun sicher wieder im Berliner Neuen Museum angekommen und Wemhoff nutzte die Gelegenheit, um Spannendes aus Schliemanns Leben zu erzählen.

Und da gab es einiges zu erzählen – genug Stoff für mehrere Leben. Als Kind aus schwierigem Hause verließ Schliemann als junger Mann seine Mecklenburgische Heimat, um in der „Neuen Welt“, Amerika, sein Glück zu machen – kam aber nur bis Holland. Dort machte er als Kaufmann Karriere, ein immenses Sprachtalent kam ihm hierbei zugute. Wemhoff nannte 16 Sprachen, lebende wie tote, die der Abenteurer beherrschte. Die zahlreichen erhaltenen Briefe in Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch, Alt-Griechisch und mehr bezeugen auch das hohe Niveau, das Schliemann in seinem Selbststudium der Sprachen erreichte. Die Firma brachte ihn nach Russland, wo er durch eigene – hochriskante - Geschäfte zum reichen Mann wurde. Schliemann pokerte hoch als Spekulant, und er gewann. Den erworbenen Reichtum nutzte der Lebemann, um zu reisen – und er entdeckte die Archäologie. Schliemanns Arbeit in Troja ist legendär. Wemhoff merkte an, dass sie im Geiste der Zeit zu betrachten sei – und als solche zu würdigen. Insbesondere die Lernbereitschaft Schliemanns hob der Archäologe hervor, jedoch ist auch Schliemanns Netzwerkarbeit und sein Umgang mit den Medien – gerade aus heutiger Sicht – beeindruckend. Schliemann erhielt viel Anerkennung in England, die TIMES berichtete mehrfach über ihn und seine Arbeit. Dass die Funde von Schliemanns Grabung in Hisarlik dennoch nach Berlin gingen, ist Rudolf Virchow zu verdanken. Der Gelehrte sorgte dafür, dass Schliemann - quasi im Tausch gegen die Funde - bekam, was er wollte:

  • Die Ehrenbürgerwürde
  • Den Orden Pour le Mérite
  • Und einen Empfang durch den Kaiser

Schliemann brachte sich stets intensiv ein, so auch beim Aufbau für die frühen Präsentationen der Funde in Berlin. Er lebte für seine Arbeit und schonte sich nie – das kostete ihn letzten Endes 1890 das Leben. Schliemann schonte sich nach einer Ohrenoperation mitnichten, sondern reiste weiter nach Neapel – um Kontakte zu pflegen und um in Bewegung zu bleiben. Doch das Ohr entzündete sich und die Entzündung griff auf das Gehirn über. Schliemann wurde auf der Straße in Neapel ohnmächtig und verstarb.  Für 2021 plant das Neue Museum in Berlin eine Ausstellung zu „Schliemanns Welten“ – 2022 jährt sich der Geburtstag des Tausendsassas zum 200. Mal.

Die rund 100 Gäste des Vortrags interessierten sich für die alte museale Präsentation das Schatzes, aber natürlich auch für die Geschichte der Schliemannschen Funde ab 1945. Hierzu konnte Wemhoff berichten, dass die Situation sich heute viel besser darstellt, als noch zu Beginn der 1990er Jahre angenommen worden war: von rund 9000 Funden, die in Berlin gewesen waren, sind rund 1500 in Russland und etwa die gleiche Menge eindeutiger Kriegsverlust. Der Rest ist – teilweise nach langen Irrfahrten und Jahrzehnten unklaren Verbleibs, wieder im Bestand des neuen Museums in Berlin.  So wurde das Silber bereits 1978 nach Ost-Berlin gesandt, die Kisten wurden jedoch unbesehen weiter nach Leipzig geschickt. Dort wurden sie – wohl auch ohne geöffnet worden zu sein – im Keller des Grassi-Museums gelagert. Nach der Wende wurden die Kisten wieder dem Berliner Bestand zugeordnet. Sie gingen zunächst an die Afrika-Abteilung des Völkerkundemuseums, dieses wunderte sich über die untypischen Objekte und verfiel darauf, bei den Prähistorikern nachzufragen. Nach über 50 Jahren konnten die Silberobjekte erneut der Öffentlichkeit präsentiert werden.