Eberkopfterrine aus Fayence – Was hatten die Menschen vor 300 Jahren für außergewöhnliche Essgewohnheiten?

03.02.2026 Praktikant:in

Abb. 1 Terrine in Form eines Eberkopfes mit Unterplatte Foto: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg / Roman Raacke

Warum habe ich mir dieses Exponat ausgesucht?

In der diesjährigen Sonderausstellung zum Thema „Mahlzeit“ bin ich auf ein außergewöhnliches Exponat gestoßen. Ein Eberkopf auf einem Teller. Dieses Objekt hat sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen und ich habe mich gefragt, welchen Nutzen es für die Menschen von damals hatte und warum es so täuschend echt aussieht. Genau deshalb habe ich mich dafür entschieden, dieses Exponat für meinen Blogbeitrag näher zu betrachten und diese Fragen zu klären.

Abb. 2 Terrine in Form eines Eberkopfes ohne Deckel Foto: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg / Roman Raacke

Beschreibung des Objektes

Das Exponat ist funktional eine Terrine. Eine Terrine wurde früher zum Backen oder Schmoren genutzt. Die Eberkopfterrine ist aus Fayence. Dieses Material ist weniger rein als zum Beispiel Porzellan. Der Teller der Terrine ist 6,3 Zentimeter hoch, 44,5 Zentimeter breit und 50,5 Zentimeter lang. Der Teller gehört zu der Terrine, war jedoch nicht fest an der Terrine angebracht. Der Teller ist mit einem Eichenmuster bemalt und der geschwungene Rand besitzt eine braune Verzierung. Die eigentliche Terrine, also der Kopf des Wildschweines, ist 31 Zentimeter hoch, 26 Zentimeter breit und 37,1 Zentimeter lang. Auf den ersten Blick wirkt der Eberkopf nahezu echt. Die Echtheit wird vor allem durch die aufgemalten Haare und die markanten Eckzähne in der Schnauze erzeugt. Den oberen Teil des Kopfes kann man abnehmen, um die Terrine mit zum Beispiel einem Wildbret-Ragout zu befüllen. Die Terrine wurde von 1748 bis 1753 von der Porzellanmanufaktur Höchst hergestellt. Diese Terrine ist jedoch nicht die einzige ihrer Art. Es wurde zusätzlich zu dieser auch eine Truthahn-Terrine produziert. Diese Terrine wurde ebenfalls von 1748-1753 produziert und war 43 Zentimeter hoch, 35 Zentimeter breit und 44 Zentimeter lang. Solche Fayence-Terrinen sollten dem echten Tier dabei so ähnlich wie möglich sehen. Da die Terrine kein richtiger archäologischer Fund ist, ist sie insgesamt in einem sehr guten Zustand und hat sehr wenige Gebrauchsspuren, was darauf schließen lässt, dass sie nicht so oft benutzt wurde.

Abb. 3 Terrine in Form eines Truthahns. Foto: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Diente die Terrine nur als dekoratives Objekt oder hatte die Terrine einen richtigen Nutzen?

Solche Terrinen wurden früher hauptsächlich von adligen Personen genutzt, da sie sehr teuer waren und das einfache Bürgertum keine extravaganten Essutensilien brauchte. In die Terrine wurde früher oft Wildbret-Ragout oder Ähnliches eingefüllt. Aus den „Nüstern“ konnte dann der Dampf des Gerichtes entweichen, was zu einem sehr furchteinflößenden Anblick führte. Das Exponat ist nämlich ein sogenanntes Schaugericht. Das heißt, dass es primär als Attraktion diente und das Essen dieses Gerichtes eher im Hintergrund stand. Diese Art von Gericht war ein Höhepunkt eines jeden Festmahls.

Herstellung von Fayence

Doch wie wird Fayence überhaupt hergestellt? Fayence wird hergestellt, indem Ton zuerst geformt und getrocknet wird. Danach wird die Tonware bei etwa 800 bis 900 °C im Ofen das erste Mal gebrannt. Als nächstes wird auf dem porösen Ton ein Glasurbrei aufgetragen, der danach bei etwa 1100 °C ein zweites Mal im Ofen gebrannt wird. Nun wird das Tonstück noch angemalt und nochmals im Ofen gebrannt, um die Farben anzuschmelzen.

Abb. 4 Logo der Höchster Porzellanmanufaktur Foto: Wikimedia Commons

Geschichte der Porzellanmanufaktur Höchst

Die Porzellanmanufaktur Höchst wurde im Jahr 1746 in Frankfurt-Höchst, daher der Name, gegründet. Somit ist sie die drittälteste Porzellanmanufaktur in Europa. In den Anfangsjahren der Manufaktur, von 1746 bis 1750, wurden nur Fayencen hergestellt. Aus dieser Zeit stammt auch die Terrine. Ab dem Jahr 1750 geschahen dann die ersten richtigen Porzellanbrände in einem Ofen, der aus Sicherheitsgründen auf dem Stadtwall stehen musste. 1756 ging die Firma bankrott bevor sie im Jahr 1759 einen neuen Besitzer bekam. Allerdings verlief es auch unter seiner Führung nicht erfolgreicher, sodass die Firma im Jahr 1796 endgültig schließen musste. Im Jahr 1947 wurde dann durch den Journalisten und Historiker Rudolf Schäfer eine zweite Höchster Porzellanmanufaktur gegründet. Diese wurde im Jahr 1963 erneut geschlossen, nur um zwei Jahre später erneut aufgenommen zu werden. Im Jahr 2023 wurde die Firma dann Teil der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

Fazit

Hatte die Terrine nun auch einen kulinarischen Nutzen oder war sie nur dazu da um gut auszusehen? Die Terrine an sich hatte einen Nutzen. Dieser war jedoch eher im Hintergrund. Viel mehr sollte die Terrine nämlich gut aussehen und dem dargestellten Tier so ähnlich wie möglich sehen. Ich finde, dass dies sehr gut erreicht wurde. Die Terrine besticht nämlich vor allem durch die Details im Schnauzenbereich und durch die großen Eckzähne. Das aufgemalte Fell ist außerdem sehr gut gelungen, was zu einer weiteren großen Realitätsnähe führt.

Literaturverzeichnis

Unterschied Keramikarten | Companhia Atlântica

Terrine – Wikipedia

Terrine in Form eines Eberkopfes mit Unterplatte | MK&G

Fayence – Wikipedia

Schaugericht (Speise) – Wikipedia

Höchster Porzellanmanufaktur – Wikipedia

Terrine in Form eines Truthahns | MK&G

E. Lücke, Frankfurt am Main: Neue Rundgänge durch die Geschichte (München 2012)

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1, 2: Terrine in Form eines Eberkopfes mit Unterplatte | MK&G

Abb. 3: Terrine in Form eines Truthahns | MK&G

Abb. 4: File:Porzellanmanufaktur-Logo.jpg - Wikimedia Commons

Hannes Hennemann, Schülerpraktikant