Glasverwendung
Die Römer nutzten ihr Glas ähnlich wie wir es heute immer noch tun. Zum Beispiel verwendeten sie es als Verpackung für Flüssigkeiten und empfindliche Stoffe, als Speise- und Trinkgeschirr, als Teller und Obstschalen, als Fensterglas, für Spielzeug sowie als Behälter für Parfüm, Salböle oder Kosmetika. Kerzenhalter oder Kerzenständer konnten ebenfalls aus Glas sein. Um Lebensmittel zu konservieren, haben die römischen Menschen auch Glasbehältnisse benutzt. So überliefert uns Columella ein Zitat von C. Matius, in dem er beschreibt, wie man Schwarzkohl in einer Brühe in einem Glas einlegt.
Balsamarien aus Glas, also die Behältnisse, in denen Parfüm, Schminke, Tinkturen, Öle und Salben aufbewahrt wurden, waren auch beliebte Grabbeigaben der Römer. Aus Köln ist zum Beispiel ein einzigartiger gläserner Parfümbehälter erhalten, der wie Pantoffeln bzw. Sandalen geformt ist.
Kleiner Exkurs: Ess- und Trinkkulturen bei den Römern
Zum Abschluss machen wir noch einmal einen kleinen Exkurs zu den Ess- und Trinkgewohnheiten der Römer, weil Glas dort vielfältig zum Einsatz kam. Wir wissen so viel darüber, weil uns sowohl schriftliche als auch archäologische Quellen davon erzählen. Schriftliche Quellen sind beispielsweise der Autor Columella mit seinem Werk De re rustica oder Marcus Gravius Apicius mit seiner Rezeptesammlung Res coquinaria. Zu den archäologischen Quellen gehören Wandgemälde, Fußbodenmosaike, Reliefdarstellungen, Grabsteine aber auch original erhaltenes Essen, z. B. aus Pompeji, wo die Ascheschichten des Vulkanausbruches das Essen konserviert haben. Man muss am Anfang aber einmal dazu sagen, dass diese römische Küche, dieser dargestellte Luxus, nur für die Reichen und die Oberschicht galt, nicht für die ärmere Bevölkerung.
Die römische Esskultur hat sich ständig weiterentwickelt, wie heutzutage auch noch, wenn wir zum Beispiel an irgendwelche Foodtrends aus dem Internet denken.
So, aber was haben die Römer denn jetzt gegessen?
Brot und Getreidebrei waren zwei der wichtigsten Nahrungsmittel zu römischer Zeit, da sie schnell und einfach zubereitet werden konnte. Dafür nahmen sie die Getreidesorten Weizen, Dinkel und Gerste, manchmal aber auch Hafer, Hirse oder Roggen.
Die Römer haben aber nicht nur Brot und Brei gegessen, sie haben auch auf verschiedene andere Lebensmittel zurückgegriffen. Beliebt war zum Beispiel Gemüse, Obst, Nüsse, Fleisch, Fisch oder Meerestiere. Zu den beliebtesten Gemüsesorten zählten Möhren, Kohl, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch, Artischocken, Gurken, Linsen, Erbsen und Bohnen. An Obst aß man Äpfel, Birne, Süßkirsche, Pflaumen oder Feigen.
Auch Fleisch liebten die Römer, vor allem Schwein, deren Innereien als Delikatessen galten. Außerdem waren Gänse, Hühner, Fasane, Pfauen, Tauben und Wachteln beliebt. Fische und Meerestiere wurden auch gegessen, wie etwa Sardinen, Krebse, Krustentiere, Austern, Muscheln, Stör, Thunfisch, Hecht, Forelle oder Barsch.
Um ihr Essen zu würzen, hatten die Römer eine Universalzutat, die sie für fast alles verwendeten, nämlich das sogenannte garum. Dies bestand aus Sardinen, Eingeweiden von Fischen und Salz, die zusammen für mehrere Wochen in die Sonne gestellt wurden. Dadurch entstand eine Flüssigkeit, welche dann zum Würzen benutzt wurde. Aber nicht nur damit schmeckte die römische Bevölkerung ihr Essen ab, sie kannten auch andere Kräuter und Gewürze, z.B. Koriander, Dill, Pfeffer, Salz, Honig, Essig, Olivenöl, Senf, Petersilie oder Minze.
Nun haben Römer aber natürlich nicht nur gegessen, sondern sie mussten auch Getränke zu sich nehmen. So haben sie zum Frühstück meistens Wasser, zum Mittag Wasser, verdünnten Saft oder Wein und zum Abendessen, der sog. cena, hauptsächlich Wein getrunken. Wein galt als Grundnahrungsmittel, der tägliche Konsum wird auf eine Menge von 0,8 bis 1 L pro männlicher und 0,5 L pro weibliche Person in Rom der Kaiserzeit geschätzt. In der Zeit vor den Römischen Kaisern, also der Römischen Republik, war es Frauen nicht erlaubt Wein zu trinken, es gab sogar Bestrafungen für die Missachtung. Wein haben die Römer aber nicht, wie wir heute, pur getrunken. Sie verdünnten den Wein immer mit Wasser. Außerdem wurde Wein auch oft gepanscht mit Salz, zerstoßenem Marmor, Schwefel, Ton, Kalk oder Harz, um den Geschmack und die Haltbarkeit zu steigern.
Neben den verdünnten Wein, kannten und tranken die Bürger Roms aber auch Honigwein, gewürzten Wein und Obstwein. Der Honigwein, die Römer nannten in mulsum, war ein Wein mit Honig gemischt, der dadurch leichter und milder war und deshalb oft als Aperitif getrunken wurde. Die gewürzten Weine sollen den heutigen Likören im Geschmack ähneln. Sie wurden mit Kräutern, Hölzern, Ölen, Rosen, Minze, Fenchel, Dill, Anis oder Myrrhe gemixt. Obstweine gab es als Gemisch mit Apfel, Birne, Datteln oder Feigen.
Leider gibt es keine eindeutigen Angaben über die gängigen Mischverhältnisse, wobei aber vermutet wird, dass die Mischung vom Alkoholgehalt des Weines sowie von den Trinkgründen abhing. Wer betrunken werden wollte, der hat weniger Wasser hinzugefügt, wer nur seinen Durst stillen wollte, der fügte mehr hinzu.
Zwar sind die römischen Scherben eher klein und unscheinbar, aber ich finde, da sie so bunt und ausgefallen sind, fallen sie beim Rundgang in der Dauerausstellung sofort auf. Sie haben mich schon beim ersten Anblick fasziniert und werden auch in Zukunft viele weitere Besucher beeindrucken.
Spannend finde ich auch, dass die Römer viele Lebensmittel kannten und auch benutzten, die in unserer Küche heute immer noch Verwendung finden. Und auch bei den römischen Ess- und Trinkgewohnheiten kam Glas vielseitig zum Einsatz. Diese Parallelen zur heutigen Gesellschaft finde ich sehr interessant und haben mich dazu motiviert, diesen Blogbeitrag zu schreiben.
Torben Mohr, Praktikant
Literaturverzeichnis:
Gerlach, Gudrun: Essen und Trinken in römischer Zeit, Köln 1992 (Führer und Schriften des Archäologischen Parks Xanten, 9).
Horn, Heinz Günter (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen, Stuttgart 1987.
Pausch, Matthias: Konsum. Einblicke in einen Wirtschaftsraum am Raetischen Limes, Ruffenhofen 2016 (Schriften aus dem LIMESEUM Ruffenhofen, 2).
Rottloff, Andrea: Geformt mit göttlichem Atem. Römisches Glas, Mainz 2015.
Trier, Marcus; Naumann-Steckner, Friederike (Hrsg.): Zerbrechlicher Luxus. Köln – ein Zentrum antiker Glaskunst, Köln 2016.
Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Die Ess- und Trinkkultur der Römer in Rom und Italien, in: Archäologie in Deutschland (2001), S. 9-17.
https://www.kirke.hu-berlin.de/petron/getraenke.html (letzter Zugriff am 05.03.2026).
Abbildungsverzeichnis:
Abb. 1: Foto: LWL-MAK Herne, C. Moors.
Abb. 2: Foto: LWL-MAK Herne, C. Moors.
Abb. 3: Foto: LWL-MAK Herne, C. Moors.
Abb.4: Glass ribbed bowl, 17.03.2026, The Metropolitan Museum of Art, New York. collectionapi.metmuseum.org/api/collection/v1/iiif/257877/545590/main-imagem image
Abb.5: Square glass bottle, The Trustees of the British Museum. Shared under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International (CC BY-NC-SA 4.0) license. https://media.britishmuseum.org/media/Repository/Documents/2023_6/12_12/41883a83_912e_422b_859f_b01f00d16c48/mid_BCB60013.jpg