Der beste Freund des Menschen

04.05.2026 Laura Sczesny

Abb. 1: Hundeskelett aus Castrop-Rauxel © Laura Sczesny

Als Frau eines Hundetrainers fiel mir das Hundeskelett des germanischen Opferplatzes aus dem Gebiet der Zeche Erin in Castrop-Rauxel direkt ins Auge. In diesem Zusammenhang stellte ich mir die Frage, wie der Hund der „beste Freund“ des Menschen wurde und welche Geschichte sich hinter dem Tod dieses Vierbeiners verbirgt.

Fundkontext

1955 wurden auf dem Gelände der Zeche Erin in Castrop-Rauxel erstmals archäologische Ausgrabungen durchgeführt, nachdem eine Erweiterung geplant war. Dabei entdeckte man neben Tierknochen auch germanische und römische Keramik, was in den folgenden Jahren zu weiteren Grabungen und zahlreichen Funden aus dem 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. führte. In den 1990er-Jahren wurde das Areal im Zuge einer Umgestaltung erneut untersucht. Die Grabungen von 1991 bis 1994 zeigten, dass es sich um einen überregional bedeutenden germanischen Handels-, Werk- und Marktplatz handelte. Pfostengruben weisen zudem auf frühere Bebauung hin. Funde von Tierbestattungen und bewusst niedergelegten Gegenständen im Moorboden könnten ein Hinweis dafür sein, dass das Gelände auch kultischen Zwecken gedient haben könnte.

Neben einigen Rinder- und Pferdeknochen wurden auch die Knochen von drei Hunden entdeckt. Einer der Hunde, welcher ins 3. bis 4. Jhdt. n. Chr. datiert, wird in der Ausstellung gezeigt, es handelt sich bei ihm um einen erwachsenen Hund mit einer Schulterhöhe von 65 cm, was etwa einem heutigen Schäferhund entspricht. Die Hundeskelette wurden sorgsam deponiert, man geht davon aus, dass die Hunde im Zuge einer Kulthandlung abgelegt wurden.

Die Geschichte einer Freundschaft

Aber wann und wie begann die Beziehung zwischen Mensch und Hund? Es ist wahrscheinlich, dass die Menschen dem Wolf außerhalb von Afrika vor ca. 300.000-400.000 Jahren das erste Mal begegneten. Sie lebten vermutlich Seite an Seite miteinander, ohne direkt voneinander profitiert zu haben.

Vor ca. 100.000 Jahren lässt sich vermuten, dass der Wolf einen Konkurrenten bekam, nämlich den Schakal. Er war kleiner und konnte damit eher eine Verhaltensanpassung etablieren. Jedoch setzte sich der Wolf als Begleiter des Menschen durch, da er sich den kalten Temperatuten der Eiszeit besser anpassen konnte und sich gegenüber anderen Caniden kämpferisch durchsetzen konnte, somit hatte er bessere Voraussetzungen die Rolle des Begleiters zu erfüllen.

Abb. 2: Hundeschädel von Goyet (Belgien) ca. 31.000 Jahre alt © Mietje Germonpré.

Archäologische Funde und Genanalyselassen darauf schließen, dass sich kurz nach dem Auftauchen des Homo Sapiens in Europa und Asien vor etwa 40.000- 35.000 Jahren, das Wolfs- und Hundegenom verändert hat. Es gibt frühe Funde (z. B. in Belgien oder Sibirien), die bis zu 33.000 Jahre alt sind und bereits Hundeartige Merkmale aufweisen (geringere Körpergröße, Kürzerer Schnauze, kleinere Zähne als der Wolf).

(Un)freiwillige Domestikation

Über die Domestikation des Wolfes und wie sie vonstattengegangen ist, herrscht in der Forschung Uneinigkeit. Eine Theorie besagt, dass die Menschen vor ca. 20.000 Jahren spirituell veranlagt waren und an die Verbundenheit zur Natur glaubten. Die damaligen Menschen fühlten sich den Tieren nicht überlegen, sondern eher verbunden. Sie suchten ihre Nähe, ihr spiritueller Weg ebnete den Weg zur gemeinsamen Jagd, von der beide Parteien profitierten.

Abb. 3: Illustration einer möglichen Jagdgemeinschaft, möglicherweise wurden Caniden auch als Lasttiere genutzt, Figur 5 aus G. Padrone, The first Breed: The Hound of Bonn/Oberkassel (2021).

Interessanterweise gibt es keine Domestikationszentren, stattdessen wurden die Caniden unabhängig von ihrem Verbreitungsgebiet domestiziert und entwickelten sich in verschiedenen Regionen unabhängig voneinander.  In der jüngeren Altsteinzeit entstanden die ersten Camps der Mammutjäger, denkbar ist, dass um diese Zeit eine gemeinsame Jagd entstanden ist oder die damaligen Caniden passiv von den Jagdresten profitierten.

Aufgrund der eher einfachen Hierarchien und der ähnlichen sozialen Gemeinschaft, die in Menschengruppen der Steinzeit und in Wolfsrudeln herrschten, kann man davon ausgehen, dass nach der gemeinsamen Jagd die Beute geteilt wurde und somit eine Kooperationsgemeinschaft entstand. Die ursprünglichen Menschen und Wölfe waren sozial ähnlich organisiert. Beide lebten in Kleingruppen und kooperierten innerhalb ihrer Clans oder Rudel sehr eng und gut miteinander um das Überleben der Gruppe bzw. des Rudels zu sichern.

 

Abb. 4: „Cave man feeding dog“, John Mcfarlane, Druckgrafik, 20. Jh .

Die eigentliche Frage ist jedoch noch nicht geklärt, und zwar wie der Wolf zum Menschen kam. Denkbar ist es, dass die damaligen Menschen Wolfswelpen adoptierten und die Frauen sich aufgrund des niedlichen Aussehens der Wolfswelpen für sie verantwortlich fühlten. Aus Fürsorglichkeit zogen sie die Wolfswelpen gleichzeitig mit ihren eigenen Babys an der Brust auf, wie es noch heute zuweilen mit Hundewelpen in Teilen Neuguineas geschieht. Demnach wurden Wolfswelpen vom Menschen entführt und großgezogen, woraufhin sie friedlicher und weniger aggressiv gegenüber Menschen wurden.

Ein weiterer Ansatz ist die Selbstdomestizierung.  Wölfe folgten den Lagern der steinzeitlichen Jäger und Sammler, um von Speiseresten zu profitieren. Daraus resultierte, dass Wölfe in geringerer Fluchtdistanz zu den Menschen lebten und ihnen gegenüber weniger Aggressivität zeigten. Dadurch hatten sie besseren Zugang zu Nahrung und wurden zahmer. Diese „zahmeren“ Individuen überlebten häufiger und gaben ihre Gene weiter.

Ein weiterer Schritt der Domestizierung fand mit Beginn der Sesshaftwerdung in der Jungsteinzeit statt. Die neu entstandenen Dörfer trennten die Reviere der Caniden die menschennah lebten von denen die nicht mit Menschen in Kontakt standen. Die Caniden, die sich bei den Menschen aufhielten und ihnen nützlich waren wurden vermehrt. Menschenaffine Caniden folgten reisenden Händlern, wenn sie davon profitierten und so verbreiteten sie sich schnell über West- und Nordeuropa und bei späteren Menschenzügen vor etwa 10.000 Jahren bis nach Nordamerika. Die Hunde mussten sich den geänderten Lebensweisen der Menschen anpassen und so entwickelte sich eine einzigartige Bindung zwischen Mensch und Hund. Die Hunde wurden gezielt für unterschiedliche Arbeiten eingesetzt, wodurch es schlussendlich zur Ausbildung der ersten Rassen kam. Vor etwa 200 bis 400 Jahren wurde die Zucht von einzelnen Rassen eklatant vorangetrieben, weshalb es heute eine Mannigfaltigkeit von (anerkannten) Hunderassen gibt.

Exkurs Rassekunde

 
Kategorie Aufgabe Charaktereigenschaften Beispiele
Hütehunde Herde bewachen und schützen misstrauisch, starkes Revierverhalten Border Collie, Australian Shepherd, Shetland Sheepdog
Treibhunde Vieh antreiben und zum Markt bringen kräftig, selbstständig, brauchen Bewegung Australian Cattle Dog, Australian Kelpie, Bearded Collie
Hirtenhunde Herden führen (lange Strecken)

lernwillig, wachsam, menschenbezogen

Deutscher Schäferhund, Belgischer Schäferhund
Haus- und Hofhunde Hof bewachen, Ungeziefer bekämpfen wachsam, treu, nicht bissig Rottweiler, Dobermann, Hovawart
Molosser Schutz, früher auch Jagd/Krieg ruhig, treu, verteidigungsbereit Mastiff, Deutsche Dogge, Cane Corso
Spitze und Urtyp-Hunde selbstständig arbeiten, hörig sein eigenwillig, unabhängig Siberian Husky, Deutscher Spitz, Shiba Inu
Gesellschafts- und Begleithunde Menschen Gesellschaft leisten freundlich, anpassungsfähig, liebevoll Chihuahua, Mops, Havaneser
Apportierhunde Wild zurückbringen freundlich, lernfreudig Golden Retriever, Labrador Retriever, Flat Coated Retriever
Bracken (Laufhunde) Wild über große Strecken verfolgen aktiv, selbstständig Beagle, Deutsche Bracke
Erdhunde Tiere im Bau (z. B. Fuchs) jagen mutig, lebhaft, stur Dackel, Jack Russell Terrier
Schweißhunde verletztes Wild aufspüren sensibel, intelligent, anhänglich Deutsch Drahthaar, Hannoverscher Schweißhund
Stöberhunde Wild aus dem Dickicht treiben energiegeladen, arbeitsfreudig Basset Hound, Plott Hound
Vorstehhunde Wild anzeigen (stehen still und zeigen Richtung) konzentriert, gehorsam Weimaraner, English Pointer
Windhunde jagen mit den Augen (sehr schnell) sensibel, ruhig Greyhound, Whippet, Saluki
Terrier früher Jagd auf kleine Tiere mutig, lebhaft, selbstständig Fox Terrier, Cairn Terrier, Border Terrier

 

Unser erstes Haustier

Der Hund gilt als erstes domestiziertes Tier der Welt. Einer der  ältesten Knochenfunde von Hunden im Kontext von menschlichen Bestattungen der Welt ist der Unterkiefer von Oberkassel. 1914 entdeckten Steinbrucharbeiter im Basaltsteinbruch von Oberkassel (Bonn, NRW) ein Doppelgrab: zwei menschliche Skelette zusammen mit den Knochen eines Hundes. Das Grab gehört zur Magdalénien-Kultur der letzten Eiszeit. Die Menschen und der Hund waren sorgfältig bestattet, teils mit rotem Ocker und Beigaben. Die Radiokarbon-Datierungen ergaben ein Alter von etwa 14.300 Jahren. Ähnlich alte Funde wurden in Israel, Ostasien und Südwestasien gemacht. Auch hieraus lässt sich schließen, dass es verschiedene Entstehungszentren der Domestikation vom Hund gab.

 

Abb. 5: Unterkiefer des Hundes aus dem Doppelgrab von Oberkassel © Landesmuseum Bonn / J. Vogel.

Aus den Gräberfunden lässt sich wieder eine Naturverbundenheit ableiten. Die Bestattung mit Menschen gemeinsam zeigt, dass Menschen und Hunde bereits damals emotional und kulturell eng verbunden waren. Da Hundebegräbnisse über einen größeren Zeitraum in den meisten Teilen der Welt vertreten waren, muss den Hunden in der Frühgeschichte zumindest die Rolle als Mitglied einer Gruppe oder Familie zuteil gekommen sein, woraus sich ein Anspruch auf einen gleichwertigen Bestattungsritus abgeleitet haben könnte. Aus Archäologischen Zeugnissen lässt sich allerdings bisher nicht schließen, ob die Hunde gleichzeitig, auf natürliche Weise, gestorben sind wie ihre Besitzer:innen, oder ob sie nach dem Tod des Menschen getötet wurden um ihm im Grab und im Jenseits Beistand zu leisten.

Abb. 6: Illustration der Bestattung eines Kindes mit einem Junghund, Israel 12.000 v. Chr., nach Figur 1 in Davis und Valla 1978 © The Anatomical Record.

Ein weiteres Beispiel ist die Bestattung eines Kindes mit einem Welpen aus Ein Mallaha, Israel. Das Grab datiert auf 12.000 v. Chr., und ist somit einer der frühesten Belege für die Domestizierung von Hunden. Es zeigt eine enge Bindung zwischen Menschen und Hunden – vermutlich nicht nur funktional, sondern auch emotional. Der Hund wurde offenbar bewusst neben dem Menschen platziert, möglicherweise als Begleiter oder Schutzwesen im Jenseits. Die Hand des Kindes wurde auf dem Körper des Hundes platziert, was für eine enge Verbundenheit spricht.

Aktuelle Untersuchungen

In einer Höhle in Großbritannien, Gough´s Cave (Somerset), wurden Überreste eines Hundes entdeckt, die 15.100-14.200 Jahre alt sind. In einer weiteren Höhle, in Pınarbaşı in Zentralanatolien, wurden Hundeknochen entdeckt, die sogar 16.100-12.900 Jahre alt sind. Die Knochenfunde wurden anhand ihrer Genome analysiert, um eindeutig festzustellen, ob es sich hierbei um frühe Hunde oder doch Wölfe handelte. Die Ergebnisse waren eindeutig; bei den beiden Funden handelt es sich nachweislich um Hunde, somit ist sicher das Hunde in Europa und der Türkei bereits vor 14.000 Jahren verbreitet waren. Dies stimmt auch mit dem Fund von Oberkassel überein, der bislang als älteste Bestattung eines Hundes galt.

Abb. 7: Hundekiefer aus der Gough´s Cave, mit Durchlochung.

Bei den Untersuchungen der Knochenfunde aus der Gough´s Cave und der Höhle in Pınarbaşı, fand man Hinweise dafür, dass die Hunde bestattet wurden und ihre Überreste ähnlich behandelt wurden, wie die menschlicher Verstorbener. In der Gough´s Cave wurden die Hundeknochen nach dem Tod bearbeitet, besonders häufig wurden die Unterkiefer durchlocht. Die Praktik der Knochenmodifikation nach dem Tod ist in der steinzeitlichen Magdalénien-Kultur verbreitet, zu der auch der Fundort in Großbritannien zugeordnet wird. In Pınarbaşı wurden die Hunde im selben Bereich wie die menschlichen Toten bestattet. Somit könnten diese beiden Funde, den Knochenfund aus Oberkassel als älteste bisher angenommen Bestattung eines Hundes ablösen.

Am Fundort von Pınarbaşı zeigt sich aber noch ein anderer wichtiger Indikator einer engen Mensch-Hund-Beziehung: sie aßen dasselbe. Überreste kleiner Süßwasserfische an dem Fundort deuten darauf hin, dass die Hunde entweder direkt oder indirekt vom Menschen versorgt wurden. Das teilen der begrenzten Nahrung könnte dafür sprechen, dass hier eine engere Bindung zu den Tieren bestand.

Hund- Mensch- Beziehung in der jüngeren Geschichte bis heute

In fast allen Gesellschaften der Welt sind Hunde vertreten, es variiert jedoch ihre soziale, wirtschaftliche und kulturelle Rolle, parallel zur Geschichte und Organisation dieser Gesellschaften. Die Hund-Mensch-Beziehung in jüngeren Gesellschaften wurde bislang leider nicht vergleichend untersucht, weshalb viele Erkenntnisse auf beiläufigen Erwähnungen historischer Reiseberichte basieren. Die Hund-Mensch-Beziehung kann in 3 Kategorien eingeteilt werden. Der Hund kann (1) als Nahrungs- und Rohstoffquelle (Fell) genutzt werden, er kann als Arbeitsgefährte (2) oder als Heimtier (3) zur sozialen und emotionalen Unterstützung gehalten werden.

Abb. 8: Kinder in Turkana mit ihrem vierbeinigen „Kindermädchen“ © Reuters / Goran Tomasevic.

Die kulturellen Unterschiede in der Rolle des Hundes in verschiedenen menschlichen Gesellschaften sind signifikant. Auf einigen polynesischen Inseln zum Beispiel werden Welpen von Frauen gestillt und dann an Kinder verschenkt, die Seele des Hundes soll dem Kind Schutz bieten und der Hund wird mitunter zusammen mit dem Kind bestattet, falls es frühzeitig verstirbt. In Turkana (Nordkenia), werden Hunde als Spielkameraden und „Kindermädchen“ für Kinder genutzt, die sogar das Kind säubern, wenn es uriniert oder gekotet hat. Auf Pemba Island im Indischen Ozean werden Hunde als Müllverwerter genutzt, sie fressen den Abfall der Menschen und werden dadurch geduldet, aber es bestehen keine emotionalen Bindungen zwischen den Menschen und den Hunden.

Abb. 9: glückliches Geburtstagskind https://de.freepik.com/fotos-vektoren-kostenlos/happy-birthday-hund (letzter Zugriff 04.05.2026).

Unsere heutige, westlich geprägte, Beziehung ist ein Ergebnis verschiedener evolutionärer, kultureller und ökologischer Faktoren. Die Hunde sind Teil einer Familie oder eines Haushalts und stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihren Besitzer:innen (Schlafplatz, Nahrung, Soziale Kontakte, Versorgung bei Krankheit). Heute leben die meisten Hunde in einem Haushalt, streunende Hunde sind die Minderheit. Die Anzahl in Haushalten lebender Hunde ist von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland leben zum Beispiel 10,5 Millionen Haushunde, was 21% der Haushalte entspricht (Stand 2024), in den USA sind es 90 Millionen, also sogar 45% (Stand 2021).

Hunde haben aufgrund von alltäglicher und sozialer Erfahrung und genetischen Veranlagungen gelernt, ihr Verhalten anzupassen und ein integriertes Mitglied einer menschlichen Gruppe zu werden. Bisweilen wird der Hund von seinen Besitzer:innen so stark in den menschlichen Alltag integriert, das man in manchen Fällen von Vermenschlichung sprechen kann. Ergebnisse von Studien zeigen, dass bis zu 80 % der Befragten ihren Hund als Familienmitglied sehen, 35 % der Besitzer:innen ihren Vierbeiner im eigenen Bett schlafen lassen, 20 % der Menschen lassen ihren Hund vom Tisch mitessen und 30 % der Befragten schmeißen ihrem pelzigen Freund sogar eine Geburtstagsfeier. Zum Teil werden Hunde auch als „Kinderersatz“ gehalten, wie z.B. in Japan. Hier sinkt die Geburtenrate tendenziell, während die Anzahl an Hunden und anderen Haustieren steigt. Etwa 21 % der japanischen Haushalte besitzen Hunde oder Katzen, der Anteil an Kindern liegt lediglich bei 11,5 %.

Abb. 10: Hunde in Japan im Kinderwagen © Barbara Holthus.

Fazit

Menschen und Hunde verbindet eine sehr lange Geschichte, sie haben sich parallel weiterentwickelt und gegenseitig beeinflusst und voneinander profitiert. Hunde haben in verschiedenen Kulturen unterschiedliche soziale, kulturelle und ökonomische Rollen und Stellenwerte. Aber auch innerhalb eines Landes, einer Gruppe oder einer Familie kann der Hund einen anderen Status haben; ob Arbeitshund, Familienmitglied oder sogar Kinderersatz. Welche Beziehung der Hund aus der Zeche Erin in Castrop-Rauxel mit den Menschen damals hatte wissen wir nicht genau, aber wir können vermuten, dass sie zumindest (indirekt) zusammengelebt haben.

 

Phasen der Domestikation

nach Adam Miklósi

Zeitraum Phase Ereignisse und Beispiele
Vor 14.000 Jahren Frühe Domestikation Vermuteter Beginn der Domestikation; Verhaltensänderungen vor körperlichen Merkmalen
Vor 14.000 – 12.000 Jahren Erste Nachweise
  • Oberkassel (14.000 )
  • Bryansk (Russland): große Hunde (~70 cm)
  • Gough´s Cave (15.100-14.200 )
  • Pınarbaşı (16.100-12.900)
Vor 12.000 – 11.000 Jahren Mensch-Hund-Beziehung Natufien (Israel): Welpe im Grab mit Mensch; Hinweis auf emotionale Bindung; kleinere Zähne
Vor 10.000 Jahren Frühe Verbreitung
  • Mitteldeutschland (Kniegrotte)
  • Französische Alpen: kleine Hunde (40 cm)
Vor 9.900 – 9.000 Jahren Globale Ausbreitung
  • Europa: Star Carr (England), Bedburg-Königshoven (Deutschland)
  • Nordamerika: Danger Cave (Utah), Asien: Japan (9.300)
Vor 9.000 – 7.700 Jahren Nutzung zur Jagd Türkei (Çatal Höyük): Jagdszenen mit Hunden (Sichelschwänze)
Vor 8.500 – 8.000 Jahren Neue Regionen
  • Zentralamerika erreicht
  • kleine Hunde leben neben Wölfen in Europa
Vor ca. 6.800 Jahren Bestattungskultur Ägypten (Merimde): erste Hundebegräbnisse
Um 6.000 vor heute Spezialisierung Mesopotamien: Hunde an Leinen; Ähnlichkeit zu Windhunden
Vor 6.300 – 5.600 Jahren Jagdhunde Armenien & Kasachstan: große Hunde zur Jagd mit Pferden
Vor ca. 5.700 Jahren

Darstellungen

Ägypten: Windhunde (schlank, stehende Ohren)
Vor 4.000 – 3.000 Jahren Vielfalt und Expansion
  • Australien besiedelt
  • Europa: starke Größenunterschiede
Vor 3.000 – 2.400 Jahren Typisierung Italien: zwei Größenklassen
500 v. Chr. – 500 n. Chr. Römische Zeit Große Vielfalt: Schoßhunde (~26 cm) bis Wachhunde (~72 cm); Unterschiede zu „barbarischen“ Hunden“
Vor ca. 2.000 Jahren Neue Formen Zentralamerika: Tlalchichi, Vorläufer des Xoloitzcuintli
Mittelalter Kontinuität Vielfalt bleibt trotz Völkerwanderung erhalten
Neuzeit Zucht Entstehung von Rassestandards, Zuchtbüchern (Kennel Club, FCI)
Heute Status quo 400–500 Rassen; geringere genetische Vielfalt durch Reinzucht

Laura Sczesny: studentische Praktikantin

Literaturverzeichnis

Davis und Valla 1978

S. J. M. Davis, F. R. Valla, Evidence for domestication of the dog 12,000 years ago in the Natufian of Israel (1978).

Feddersen-Pettersen 2014

D.U. Feddersen-Pettersen, Hundepsychologie (Stuttgart 2014).

Henke 1986

W. Henke, Die magdalénienzeitlichen Menschenfunde von Oberkassel bei Bonn, in: Bonner Jahrbücher Band 186 (Bonn 1986), S. 317–366.

Kortschal 2016

K. Kortschal, Hund & Mensch, Die wissenschaftliche Wahrheit über unsere Seelenverwandtschaft (Wien 2016).

Krämer 2014

E.-M. Krämer, Kosmos-Hundeführer (Stuttgart 2024).

Marsh et al. 2026

W. A. Marsh et al., Dogs were widely distributed across western Eurasia during the Palaeolithic (2026).

Miklósi 2011

A. Miklósi, Hunde- Evolution, Kognition und Verhalten (Stuttgart 2011).

Padrone 2021

G. Padrone, The first Breed: The Hound of Bonn/Oberkassel (2021).

Schröder 2020

J. Schröder, Der spätkaiserzeitliche Fundplatz Zeche Erin in Castrop-Rauxel (Bochum 2020).

Trier 1995

B. Trier, Neujahrsgruß 1995, Bericht über die Tätigkeit

des Westfälischen Museums für Archäologie- Amt für Bodendenkmalpflege – im Jahr 1994 (Steinfurt 1994).

Onlinequellen

  • https://www.wayofdog.de/ (letzter Zugriff 04.05.2026).
  • https://www.zzf.de/marktdaten/heimtiere-in-deutschland  (letzter Zugriff 04.05.2026).
  • https://www.maxweberstiftung.de/themenportal/soziologie-der-haustiere-im-heutigen-japan.html#:~:text=Insgesamt%20leben%207%20Millionen%20Hunde,Bev%C3%B6lkerung%20besitzen%20Hunde%20oder%20Katzen (letzter Zugriff 04.05.2026).
  • https://www.haustiermagazin.com/in-diesem-land-leben-die-meisten-hunde/ (letzter Zugriff 04.05.2026).
  • Instagram Seite way_of_dog_mobile_hundeschule, Artikel von Inhaber, Hundeerzieher, Verhaltensberater und Sachverständiger Tristan Sczesny https://www.instagram.com/way_of_dog_mobile_hundeschule/ (letzter Zugriff 04.05.2026).

Abbildungsnachweis

Abb. 1: © Laura Sczesny.

Abb. 2: © Mietje Germonpré.

(https://virtualcollections.naturalsciences.be/virtual-collections/paleontology/Fossil%20Vertebrates/Fossil%20Mammals/copy4_of_cetacea/canis-lupus-familiaris) (letzter Zugriff 04.05.2026).

Abb. 3: Figur 5 aus G. Padrone, The first Breed: The Hound of Bonn/Oberkassel (2021).

Abb. 4: „Cave man feeding dog“, John Mcfarlane, Druckgrafik, 20. Jh.

Abb. 5: © Landesmuseum Bonn / J. Vogel.

Abb. 6: Illustration nach Figur 1 in Davis und Valla 1978 © The Anatomical Record https://www.researchgate.net/figure/Illustration-of-the-iconic-archaeological-finding-at-the-Natufian-Israeli-site-called-Ain_fig1_346393054 (letzter Zugriff 04.05.2026).

Abb. 7: © The Trustees of the Natural History Museum, London https://www.york.ac.uk/news-and-events/news/2026/research/ancient-dna-dogs-ice-age-humans/ (letzter Zugriff 04.05.2026).

Abb. 8: © Reuters / Goran Tomasevic https://www.dw.com/de/die-bedrohten-traditionen-der-turkana/g-18177299 (letzter Zugriff 04.05.2026).

Abb. 9:  https://de.freepik.com/fotos-vektoren-kostenlos/happy-birthday-hund (letzter Zugriff 04.05.2026).

Abb. 10: © Barbara Holthus https://www.maxweberstiftung.de/themenportal/soziologie-der-haustiere-im-heutigen-japan.html#:~:text=Insgesamt%20leben%207%20Millionen%20Hunde,Bev%C3%B6lkerung%20besitzen%20Hunde%20oder%20Katzen  (letzter Zugriff 04.05.2026).

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