Einleitung:
Ich stelle mal in den Raum, dass sich ein jeder schon mal gefragt hat: Was bedeutet Zeit überhaupt? Zeit kann in einem Moment wie im Fluge vergehen und sich in einem anderen wie Kaugummi ziehen. Man kommt zu dem Schluss, dass auch wenn Zeit messbar ist, man Zeit nur schwer in Worte fassen kann und irgendwann wird für uns alle der Moment kommen in dem unsere Zeit vorbei ist. Für diesen Wecker hat um 7:43 seine letzte Stunde geschlagen.
Im Rahmen meines Praktikums am LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne habe ich mich mehr mit der Geschichte dieses Weckers auseinandergesetzt und mit der Zeit, aus der er stammt. In diesem Beitrag werde ich unter anderem meine Rechercheergebnisse über die Historie Münsters während der NS-Diktatur und über die Bombardierung von Westfalen und dem Rheinland mit Fokus auf Münster berichten.
In der Ausstellung ist der Wecker Teil des Zeit-Kubus, der sich mit dem Konzept von Zeit auseinandersetzt und damit, wie, je nach Hintergrund, jeder Mensch einen eigenen Zugang zu Zeit hat. Dieses Thema steht im engen Zusammenhang mit Archäologie, bei der man versucht durch verschiede Methoden die Vergangenheit zu ergründen.
Beschreibung:
Bei meinem Objekt handelt es sich um einen der zahlreichen Funde aus dem Bombenschutt des Zweiten Weltkriegs: Es ist ein mechanischer Wecker, den man bei einer Grabung am Domplatz in Münster gefunden hat (im Schutt des Hauses 18). Der Wecker stammt aus der Zeit zwischen 1940 und 1945. Mechanische Wecker waren äußerst typisch für diese Zeit. Die Marktführer für diese Art Wecker zu Zeit um 1940 in Deutschland waren Junghans und Kienzle. Der Erhaltungszustand des Weckers lässt jedoch keine Schlussfolgerung auf den Hersteller oder die Marke zu. Der Besitzer ist ebenfalls unbekannt.
Der Wecker ist 12,4 cm hoch, 11 cm breit, 5,7 cm tief und wiegt 541,9 g. Er besteht unter anderem aus Metall. Obwohl der Erhaltungszustand des Weckers nicht sonderlich gut ist, was man beispielweise an den nicht mehr vorhandenen Ziffern und dem vollständig verrostet Ziffernblatt, welches sogar einige Löcher aufweist, feststellen kann, erkennt man dennoch, dass der Wecker in etwa um 7:43 stehen geblieben ist. Ob morgens oder abends ist unbekannt. Der Wecker hat noch beide Standfüße und Zeiger. Am Gehäuse des Weckers lassen sich einige Abblätterungen und rostige Stellen finden. An der unteren Seite des Gehäuses weißt der Wecker eine mittelgroße Ausbeulung auf.
Deutschland zur Zeit Hitlers:
Bevor ich die Ergebnisse meiner Recherche präsentiere, möchte ich einmal grob die wichtigsten Daten, Ereignisse und die allgemeine Lage Deutschland während der NS-Diktatur zusammenfassen, damit man den nachkommenden Informationen gut folgen kann.
Am 30. Januar 1933 wurde Hitler zum Reichspräsidenten gewählt. Schnell wurde klar, was für ein Land er aufbauen will und mit welchen Methoden er seine Ziele erreichen will. Nämlich mit Propaganda, Terror, Unterdrückung und Gewalt. Es entstand ein regelrechter Personenkult um Hitler, der viele Menschen die Gräueltaten seines Regimes spüren ließ.
Hitler nutze das „demokratischen Chaos“ der Weimarer Republik um viele Anhänger hinter sich zu versammeln und versprach ihnen eine bessere Zukunft. Nachdem am 28. Februar 1933 der Reichstag in Brand gesetzt wurde, rief er mithilfe der Notverordnung seine dauerhafte alleinige Herrschaft aus und entzog den Menschen ihre Freiheitsrechte. So begann die Schreckensherrschaft Adolf Hitlers. Von Anfang an ist sein Regime gegen jeden, der nicht in das nationalsozialistische Bild passte, mit brutaler Härte vorgegangen. Dazu gehörten nicht nur die Menschen jüdischen Glaubens, sondern auch andere Minderheiten wie Behinderte oder Homosexuelle, aber auch politische Gegner. Vor allem die Sozialdemokraten und Kommunisten. Er verbreite seine Ideen vom „Rassenideal“ und der „Volksgemeinschaft“ und fand große Zustimmung in der Bevölkerung. Bald schon entstanden die ersten Konzentrationslager. Anfangs hauptsächlich als Arbeits- oder Umerziehungslager für politische Gegner, aber im späteren Verlauf eben auch Vernichtungslager wie Ausschwitz-Birkenau. Nachdem die Nürnberger Gesetzte 1935 verabschiedet wurden, die die jüdischen Menschen zu Menschen 2. Klasse erklärten, nahm der Hass auf die jüdische Bevölkerung immer weiter zu. Am 9. November 1938 wurden Synagogen im ganzen Reich in Brand gesteckt, Menschen wurden überfallen und getötet und das nicht nur von den Nationalsozialisten, sondern auch von der Zivilbevölkerung. Mehr als 30.000 Menschen wurden in Konzentrationslager verschleppt.
Trotz allem war Hitler beliebt und viele Menschen standen hinter ihm, weil er seine Versprechen gegenüber diesen Menschen augenscheinlich hielt. Die Arbeitslosigkeit ging zurück und er richtete Organisationen ein, die gegen Hunger und Armut kämpfen. Auch außenpolitisch war er in Augen der Bevölkerung erfolgreich. Hitler hatte bereits das Saarland, das Sudetenland, Österreich und die Tschechoslowakei unter seiner Kontrolle. Als dann am 1. September 1939 Deutschland Polen überfiel, brach der 2. Weltkrieg aus. Zu dem Zeitpunkt hatte Hitler bereits fast die ganze deutsche Bevölkerung von seinen Erfolgsaussichten überzeugt und die Menschen waren beinahe euphorisch als der Krieg ausbrach. Der Krieg war in Deutschland selbst anfangs kaum zu spüren. Hitler fuhr jede Menge Erfolge ein und weitet den „deutschen Lebensraum“ weiter aus. 1941 erklärte Deutschland dann auch Russland den Krieg, entgegen des vorher unterschriebenen Nicht-Angreifen Pakts. Um die Zeit begann auch die Massenvernichtung der Juden. In Russland erlitt die Wehrmacht jedoch enorme Verluste und nach 1942 nahm der Krieg für Deutschland eine Wende. Mehr und mehr Luftangriffe trafen Deutschland, die Bevölkerung bekam den Krieg nun auch zu spüren. Der Ausruf des „Totalen Kriegs“ nach der Niederlage in Stalingrad würde Hitler nicht mehr den Sieg bringen. Die Alliierten starteten mit den Flächenbombardements auf deutsche Großstädte. Hamburg ging im Flammen-Meer auf und auch Dresden litt immens unter den Luftangriffen. Die Frontlinien verschoben sich immer mehr in Richtung Deutschland und die Alliierten hatten 1945 schon fast ganz Deutschland unter ihrer Kontrolle, sodass Hitler sich am 30. April 1945 während der Schlacht um Berlin das Leben nahm und wenig später am 8. Mai auch das gesamte Reich kapitulierte.
Spuren der Zeit im Rheinland und in Westfalen
Nun wieder zurück zum Wecker. Wie groß war der Einfluss der Nationalsozialisten, hier in Westfalen und im Rheinland? Welche Spuren findet man heute noch von dieser Zeit neben unserem Wecker? Der Wecker steht für eine Zeit des Grauens, die hier ebenso deutlich zu spüren war wie im Rest Deutschlands. Werfen wir einen Blick ins Jahr 1932, den Beginn Hitlers Herrschaft.