Der Moment bevor die Zeit stehen blieb - Ein Wecker aus dem 2.Weltkrieg

15.07.2026 Praktikant Herne

Abb. 1 Wecker aus dem 2.Weltkrieg, LWL-MAK Herne / Cornelia Moors

Einleitung:

Ich stelle mal in den Raum, dass sich ein jeder schon mal gefragt hat: Was bedeutet Zeit überhaupt? Zeit kann in einem Moment wie im Fluge vergehen und sich in einem anderen wie Kaugummi ziehen. Man kommt zu dem Schluss, dass auch wenn Zeit messbar ist, man Zeit nur schwer in Worte fassen kann und irgendwann wird für uns alle der Moment kommen in dem unsere Zeit vorbei ist. Für diesen Wecker hat um 7:43 seine letzte Stunde geschlagen.

Im Rahmen meines Praktikums am LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne habe ich mich mehr mit der Geschichte dieses Weckers auseinandergesetzt und mit der Zeit, aus der er stammt. In diesem Beitrag werde ich unter anderem meine Rechercheergebnisse über die Historie Münsters während der NS-Diktatur und über die Bombardierung von Westfalen und dem Rheinland mit Fokus auf Münster berichten.

In der Ausstellung ist der Wecker Teil des Zeit-Kubus, der sich mit dem Konzept von Zeit auseinandersetzt und damit, wie, je nach Hintergrund, jeder Mensch einen eigenen Zugang zu Zeit hat. Dieses Thema steht im engen Zusammenhang mit Archäologie, bei der man versucht durch verschiede Methoden die Vergangenheit zu ergründen.

Beschreibung:

Bei meinem Objekt handelt es sich um einen der zahlreichen Funde aus dem Bombenschutt des Zweiten Weltkriegs: Es ist ein mechanischer Wecker, den man bei einer Grabung am Domplatz in Münster gefunden hat (im Schutt des Hauses 18). Der Wecker stammt aus der Zeit zwischen 1940 und 1945. Mechanische Wecker waren äußerst typisch für diese Zeit. Die Marktführer für diese Art Wecker zu Zeit um 1940 in Deutschland waren Junghans und Kienzle. Der Erhaltungszustand des Weckers lässt jedoch keine Schlussfolgerung auf den Hersteller oder die Marke zu. Der Besitzer ist ebenfalls unbekannt.

Der Wecker ist 12,4 cm hoch, 11 cm breit, 5,7 cm tief und wiegt 541,9 g. Er besteht unter anderem aus Metall. Obwohl der Erhaltungszustand des Weckers nicht sonderlich gut ist, was man beispielweise an den nicht mehr vorhandenen Ziffern und dem vollständig verrostet Ziffernblatt, welches sogar einige Löcher aufweist, feststellen kann, erkennt man dennoch, dass der Wecker in etwa um 7:43 stehen geblieben ist. Ob morgens oder abends ist unbekannt. Der Wecker hat noch beide Standfüße und Zeiger. Am Gehäuse des Weckers lassen sich einige Abblätterungen und rostige Stellen finden. An der unteren Seite des Gehäuses weißt der Wecker eine mittelgroße Ausbeulung auf.

Deutschland zur Zeit Hitlers:

Bevor ich die Ergebnisse meiner Recherche präsentiere, möchte ich einmal grob die wichtigsten Daten, Ereignisse und die allgemeine Lage Deutschland während der NS-Diktatur zusammenfassen, damit man den nachkommenden Informationen gut folgen kann.

Am 30. Januar 1933 wurde Hitler zum Reichspräsidenten gewählt. Schnell wurde klar, was für ein Land er aufbauen will und mit welchen Methoden er seine Ziele erreichen will. Nämlich mit Propaganda, Terror, Unterdrückung und Gewalt. Es entstand ein regelrechter Personenkult um Hitler, der viele Menschen die Gräueltaten seines Regimes spüren ließ.

Hitler nutze das „demokratischen Chaos“ der Weimarer Republik um viele Anhänger hinter sich zu versammeln und versprach ihnen eine bessere Zukunft. Nachdem am 28. Februar 1933 der Reichstag in Brand gesetzt wurde, rief er mithilfe der Notverordnung seine dauerhafte alleinige Herrschaft aus und entzog den Menschen ihre Freiheitsrechte. So begann die Schreckensherrschaft Adolf Hitlers. Von Anfang an ist sein Regime gegen jeden, der nicht in das nationalsozialistische Bild passte, mit brutaler Härte vorgegangen. Dazu gehörten nicht nur die Menschen jüdischen Glaubens, sondern auch andere Minderheiten wie Behinderte oder Homosexuelle, aber auch politische Gegner. Vor allem die Sozialdemokraten und Kommunisten. Er verbreite seine Ideen vom „Rassenideal“ und der „Volksgemeinschaft“ und fand große Zustimmung in der Bevölkerung. Bald schon entstanden die ersten Konzentrationslager. Anfangs hauptsächlich als Arbeits- oder Umerziehungslager für politische Gegner, aber im späteren Verlauf eben auch Vernichtungslager wie Ausschwitz-Birkenau. Nachdem die Nürnberger Gesetzte 1935 verabschiedet wurden, die die jüdischen Menschen zu Menschen 2. Klasse erklärten, nahm der Hass auf die jüdische Bevölkerung immer weiter zu. Am 9. November 1938 wurden Synagogen im ganzen Reich in Brand gesteckt, Menschen wurden überfallen und getötet und das nicht nur von den Nationalsozialisten, sondern auch von der Zivilbevölkerung. Mehr als 30.000 Menschen wurden in Konzentrationslager verschleppt.

Trotz allem war Hitler beliebt und viele Menschen standen hinter ihm, weil er seine Versprechen gegenüber diesen Menschen augenscheinlich hielt. Die Arbeitslosigkeit ging zurück und er richtete Organisationen ein, die gegen Hunger und Armut kämpfen. Auch außenpolitisch war er in Augen der Bevölkerung erfolgreich. Hitler hatte bereits das Saarland, das Sudetenland, Österreich und die Tschechoslowakei unter seiner Kontrolle. Als dann am 1. September 1939 Deutschland Polen überfiel, brach der 2. Weltkrieg aus. Zu dem Zeitpunkt hatte Hitler bereits fast die ganze deutsche Bevölkerung von seinen Erfolgsaussichten überzeugt und die Menschen waren beinahe euphorisch als der Krieg ausbrach. Der Krieg war in Deutschland selbst anfangs kaum zu spüren. Hitler fuhr jede Menge Erfolge ein und weitet den „deutschen Lebensraum“ weiter aus. 1941 erklärte Deutschland dann auch Russland den Krieg, entgegen des vorher unterschriebenen Nicht-Angreifen Pakts. Um die Zeit begann auch die Massenvernichtung der Juden. In Russland erlitt die Wehrmacht jedoch enorme Verluste und nach 1942 nahm der Krieg für Deutschland eine Wende. Mehr und mehr Luftangriffe trafen Deutschland, die Bevölkerung bekam den Krieg nun auch zu spüren. Der Ausruf des „Totalen Kriegs“ nach der Niederlage in Stalingrad würde Hitler nicht mehr den Sieg bringen. Die Alliierten starteten mit den Flächenbombardements auf deutsche Großstädte. Hamburg ging im Flammen-Meer auf und auch Dresden litt immens unter den Luftangriffen. Die Frontlinien verschoben sich immer mehr in Richtung Deutschland und die Alliierten hatten 1945 schon fast ganz Deutschland unter ihrer Kontrolle, sodass Hitler sich am 30. April 1945 während der Schlacht um Berlin das Leben nahm und wenig später am 8. Mai auch das gesamte Reich kapitulierte.

Spuren der Zeit im Rheinland und in Westfalen

Nun wieder zurück zum Wecker. Wie groß war der Einfluss der Nationalsozialisten, hier in Westfalen und im Rheinland? Welche Spuren findet man heute noch von dieser Zeit neben unserem Wecker? Der Wecker steht für eine Zeit des Grauens, die hier ebenso deutlich zu spüren war wie im Rest Deutschlands. Werfen wir einen Blick ins Jahr 1932, den Beginn Hitlers Herrschaft.

 

Abb. 2 Karte der Stimmanteile der NSDAP bei der Reichstagswahl vom 05.03.1933

Bei der Reichstagwahl 1932 gehörte das Rheinland und Westfalen zu den Gebieten mit weitaus weniger NSDAP Wählern. Dies stand im starken Zusammenhang mit der Tatsache, dass der Anteil an Katholiken dort weit über dem Reichsdurchschnitt von 32% lag. In Westfalen waren es etwa 51% und im Rheinland sogar 63%. Katholiken wählten meist die katholische Zentrums-Partei, weshalb der Stimmanteil der NSDAP dort niedriger ausfiel. Nach Hitlers Sieg bei der Reichstagwahl versuchte er durch das sogenannte Vorgehen „Parteirevolution von unten“ die innere Verwaltung der Machtposition der NSDAP zu verbessern. Dabei wurden Mitglieder der SS und der SA in öffentlichen Ämtern eingesetzt. Auch auf der Jugendebene wurde die NSDAP aktiv. Die anfangs kleine Hitlerjugend setzte sich nach und nach gegen andere Jugendorganisationen durch und war spätestens nach der Einführung der Gleichschaltungspolitik die größte Jugendorganisation im ganzen Reich. Selbst nach dem Aufschwung blieben die Zahlen der Mitglieder in Organisationen der NSDAP im Rheinland und Westfalen unter dem Durschnitt. Die antijüdische Gewalt im Rheinland und Westfalen war jedoch auch nicht geringer als anderswo.

Auch im Rheinland und in Westfalen gibt es Spuren der grausamen Taten der Nationalsozialisten. In Witten-Annen finden man so heute noch eine Gedenkstätte für die Zwangsarbeiter, aus unter anderem Belgien und den Niederlanden und in Bochum einen Jüdischen Friedhof.

 

Abb. 3 Foto vom ehemaligen Gelände des KZ Buchenwald Außenlager Witten-Annen

Das KZ Buchenwald Außenlager Witten-Annen war nach Ende des Krieges eher unbeachtet und wurde erst 1984 wieder entdeckt. Häftlinge saßen dort ein, um in einem Gussstahlwerk Strafarbeit zu leisten. Die Arbeitsbedingungen waren furchtbar, weswegen viele der Häftlinge die Arbeit nicht überlebten. In der Nähe befand sich ein sogenanntes „Russenlager“ in dem einige der zahlreichen russischen Strafarbeiter untergebracht worden waren. Nach Ende des 2. Weltkrieg wurde auf dem Gelände ein Wohngebiet errichtet und heute gibt es eine Gedenkstätte samt Gedenktafel. Das Gelände steht mittlerweile unter Denkmalschutz.

Auf dem jüdischen Friedhof in Bochum findet man zunächst viele gut erhaltende repräsentative Grabsteine. Umso weiter nach hinten man geht umso schlechter sind sie jedoch erhalten. Aufgrund der „Arisierung“ bzw. Entrechtung von jüdischen Menschen blieben ihnen Bestattungen verwehrt. Zudem findet man auf dem Friedhof Opfer des SS-Sonderkommandos Bochumer Verein, das ebenfalls zur Außenstelle des KZ Buchenwald gehörte.

Münsters NS-Historie

Münster wurde von den Nazis auch „Schwarzes Münster“ genannt, da die Nationalsozialisten dort nur sehr schwer Fuß fassen konnten. Tatsächlich hielt Hitler keine einzige Rede in Münster, denn er hatte es in der stark katholisch geprägten Stadt sehr schwer da, die Kirche und die Bürger machten der NSDAP bei vielen Dingen einen Strich durch die Rechnung.

Auch wenn es schwer zu definieren ist, wo Widerstand wirklich anfängt, kann man in Münster in drei Bereichen klar Spuren von Widerstand finden. In Münster entstand eine Widerstandsgruppe, in der Katholiken, Sozialdemokraten und Kommunisten zusammenarbeiteten und unter anderem Flugblätter verbreiteten, welche jedoch wegen ihrer starken kommunistischen Prägung wenig erfolgreich wären. 1935 gelang es der Gestapo jedoch, die Gruppe zu zerschlagen und die Mitglieder wurden zu schweren Strafen verurteilt, was zur Beendung des Widerstands aus dieser Richtung führte.

Als man in Münster Gemeinschaftsschulen einrichten wollte, um die Kinder aus dem Griff der katholischen Kirche zu bekommen, gab es nicht nur seitens der Kirche aktiven Einspruch, sondern auch seitens der Eltern. Als die Gemeinschaftsschulen dennoch eingeführt wurden folgten zwischen 10.000 und 14.000 schriftliche Einsprüche der Eltern. Der Kreisleiter des Nationalsozialistische Lehrerbundes, zählte 21 von 25 Schulleitern als abwertende Gegner des Nationalsozialismus. Nach Ende des Kriegs stuften die strengen Maßnahmen der Alliierten Militärregierung nur etwa 90 der 200 Lehrer als „zweifelhaft“ ein

Nach Einführung der Gleichschaltungspolitik, welche jede andere Partei und jeden anderen Verein der nicht Teil des NS-Regimes war Stück für Stück verbot, wurde es für die katholische Jugend immer schwerer weiter zu bestehen. Sie erlitten immer mehr Angriffe durch die Hitlerjugend, fanden aber trotzdem Wege sich weiter im eingeschränkten Rahmen zu treffen und konnten unter dem Namen Caritas-Kindererholung beispielsweise weiter auf Fahrten und Lager fahren. Auf Versammlungen vernahm die Gestapo oft Lieder und Sprechchöre die der NS-Ideologie widersprachen wie etwa „Nieder mit Hitler“. Zwischen 1937 und 1939 waren andere Vereine dann komplett verboten und die katholischen Jugendvereine mussten illegal als Gruppe unter dem Dach der Hitlerjugend weiterarbeiteten. Die Jugend sah dies aber weniger als Widerstand gegen Hitler und mehr als Verschreibung zu ihrem christlichen Glauben.

Kriegszerstörung in Städten im Rheinland und Westfalen

Wie ist es zu den ganzen Bombenfunden überhaupt gekommen? Unser Wecker ist nur einer von vielen, denn besonders Städte im Ruhrgebiet haben während des 2. Weltkrieges große Mengen an Sprengstoff abbekommen. So ist es nicht verwunderlich, dass Bombenfunde wirklich keine Seltenheit sind. Doch dieser Wecker symbolisiert etwas ganz besonders. Man könnte es fast als den letzten Atemzug ansehen bevor alles in Flammen aufging.  So wie es auch der letzte Atemzug für den Wecker war bevor er durch die Bomben in den Trümmern vergraben wurde.

 

Abb.4 Karte von den Anteilen der Zerrstörung deutscher Groß- und Mittelstädte 1945

Deutschland zur so genannten „Stunde null“: deutsche Großstädte gingen in den letzten Kriegsmonaten im Feuersturm unter. Ganze Städte waren zerstört und jede vierte Wohnung in Nordrhein-Westfalen war verloren gegangen. Nach der Kriegswende 1942 war der Luftschutzalarm ein wiederkehrendes Geräusch. Die Briten zogen immer häufiger über den deutschen Luftraum.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 1940 flog die Luftwaffe der Briten, die RAF, ihren ersten Angriff auf eine deutsche Großstadt, genauer gesagt Mannheim. 134 Bomben trafen die Stadt in dieser Nacht. Insgesamt blieb das Ausmaß an Zerstörung während der 1. Phase des Krieges von 1939 bis 1941 nicht sehr gravierend. Die große Zerstörung begann erst ab etwa 1942, als die RAF begann, Städte mithilfe des so genannten „area bombing“ zu beschießen. Beim area bombing handelt es sich um ein Flächenangriff, bei dem viele Bomben innerhalb einer kurzen Zeitspanne, konzentriert auf einen Ort abgeworfen werden. Der Schaden, den diese Angriffsstrategie auf die Bevölkerung hat, bekam Köln als erstes zu spüren. In der Nacht vom 30. Auf dem 31. Mai 1941 trafen Köln 1500 Tonnen Bomben, abgeworfen von etwa 1000 Flugzeugen, was 2000 Großfeuer in der gesamten Stadt auslöste. Weitere Großstädte, die im Jahr 1942 unter den Flächenangriffen glitten haben sind beispielsweiße Essen, Duisburg und Düsseldorf.

Als dann auch die US Air Force in den Luftkrieg einstieg, gingen die Zahlen der Wohnungsschäden stark in die Höhe. Eine der drei großen Luftkriegsoperationen fand hier in Nordrhein-Westfalen, genauer gesagt im Ruhrgebiet statt. Im Zuge des „Battle of the Ruhr“ gab es unter anderem mehrere Angriffe auf die Städte Essen, Köln, Dortmund und Düsseldorf bei denen kritische Punkte der deutschen Infrastruktur angegriffen wurden. Darunter beispielsweise Stahlwerke und Rüstungsgebiete, aber eben auch Wohnviertel.

Bombardierung von Münster im 2. Weltkrieg

Kommen wir nun zurück zum Fundort des Weckers. Münster hat schwere Schäden während des 2. Weltkriegs einstecken müssen. Insgesamt 102 Luftangriffe waren während 1939 und 1945 auf Münster ausgeübt worden.

 

Abb. 5 Foto vom Gebiet um die Maximilianstraße in Münster nach Bombengriffen Anfang Juli 1941

Der erste große Luftangriff auf Münster fand am 10. Oktober 1943 statt. Zuvor gab es jedoch schon einige kleinere Angriffe. Dieser war jedoch der opferreichste Luftangriff der Stadt bei dem etwa 700 Tote verzeichnet wurden. Zu dem Zeitpunkt rechneten die Menschen noch nicht damit, dass wirklich etwas passieren würde. Eine Schülerin berichtet in ihrem Tagebuch davon, dass sie selbst nachdem der Luftalarm ertönte trotzdem noch in den Garten ging um Rüben für ihre Oma zu pflücken. Es war schließlich Tagalarm, da passiert schon nichts. Bis sie dann die Flugzeuge am Himmel sah und auf einmal Bomben auf die Stadt niederfielen. Am nächsten Tag sah sie die Zerrstörung in der Stadt mit eignen Augen. Überall halfen Menschen beim Wiederaufbau und die Schüler bekamen „Bombenfrei“.

Dies sollte aber nicht der letzte Angriff auf die Stadt bleiben. Zwischen Januar und April 1945 gehörte Münster zu den wiederkehrenden Zielen der Alliierten und geriet aufgrund seiner Bedeutung als Garnisions-, Verwaltungs-, und Handelsstadt sowie als Knotenpunkt zwischen Ruhrgebiet und Nord- und Mitteldeutschland mehrfach unter starken Beschuss. Die RAF flog am 25. März 1945 ihren letzten Luftangriff. Ein Flugzeugführer sagte an diesem Tag: „Münster könnt ihr auf der Karte ausradieren…“. Als der Krieg zu Ende ging, war Münsters Innenstadt nahezu vollständig zerstört. Insgesamt verzeichnete die Stadt einen Gesamtzerstörungsgrad von 60% und ebenfalls 60% der Wohnungen waren unbrauchbar, was weit über dem Durchschnitt von 25% lag.

Ähnliche Funde

Abb.6 beschädigter Puppenkopf aus Münster, datiert auf etwa 1944, LWL-MAK Herne / Cornelia Moors

Ein weiteres Beispiel für einen rätselhaften Fund in Münster ist dieser halbe Puppenkopf. Ebenfalls stammend aus der Zeit um 1944 ist die Unvollständigkeit dieses Kopfes vermutlich einem Bombenangriff zu verdanken. Für die Forschung sind solch eine Art Gegenstände von keiner großen Bedeutung oder Interesse. Es ist schwer neue Informationen aus ihnen zu gewinnen und sie sind auch eher keine Seltenheit. Man würde vermutlich an zahlreichen Stellen in der Erde solche Gegenstände aus einer anderen Zeit finden, wenn man danach suchen würde.

Fazit

Abschließend kann man sagen, der Geschichte des Weckers selbst auf den Grund zu gehen gestaltet sich eher schwierig. Über seine Herkunft ist wenig bekannt und sein Zustand lässt wenig Erkenntnisse zu, aber er erzählt uns eine ganz andere Geschichte.  Eine Geschichte von einer vergangenen Zeit, dessen Spuren bis ins Hier und Jetzt reichen und uns er erinnert uns daran was Zeit bedeutet, wie schnell und unerwartet jemandes Zeit sein Ende finden kann, wodurch jeder Moment noch kostbarer wird.

Literaturverzeichnis

Theune, Claudia: Archäologie an Tatorten des 20.Jahrhunderts, Darmstadt 2016 S.39-41

Schneider, Hubert: Konzentrationslager im Rheinland und Westfalen – Chillag, John: Ungarische Juden als Zwangsarbeiter in Bochum, Padderborn 2006 S. 227-230

Bode, Völker: Kriegszerstörungen 1939-1945 in Städten der Bundesrepublik Deutschland, 1995 Seite 1-14

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/zweiter-weltkrieg/kriegsverlauf

Kuropka, Joachim: Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Münster, Westfälische Zeitschrift 137, 1987 S.160-182

https://www.stadt-muenster.de/ms/kriegschronik/index_matrix.html

https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/drucken.php?ID=39&tab=web

Regenbrecht, Niklas: Der 10.10.1943 in Münster in den Tagebüchern einer Jugendlichen, Alltagskultur Blog

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime

https://www.presse-service.de/data.aspx/static/892389.html

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Cornelia Moors

Abbildung 2: Fal­ter, Jür­gen W./Lin­den­ber­ger, Tho­mas/Schu­mann, Sieg­fried, Wah­len und Ab­stim­mun­gen in der Wei­ma­rer Re­pu­blik. Ma­te­ria­li­en zum Wahl­ver­hal­ten 1919-1933, Mün­chen 1986. Stimmenanteile der NSDAP bei der Reichstagswahl vom 5.3.1933. (CC BY 3.0 / Dove)

Abbildung 3: Reclus, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Witten_KZ-Aussenlager_Fundamente_Baracken.jpg?uselang=de, Witten 2012

Abbildung 4: G.W. Harmssen, Reparationen, Sozialprodukt, Lebensstandard, Anlage VII, Bremen, 1947, S. 37; abgedruckt in Christoph Kleßmann, Die doppelte Staatsgründung. Deutsche Geschichte 1945–1955. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1986, S. 354.

Abbildung 5: 24.10.2014 11:00:00, Bilder nach dem Bombenhagel
Ausstellung im Stadtmuseum: „Das untergegangene Münster - Fotos von 1940 bis 1945“ / Detektivische Detailarbeit

Abbildung 6: Cornelia Moors