Mein auserwähltes Objekt: Druckplatten für Lebensmittelmarken aus Münster, 1944
Mein auserwähltes Museumsstück aus der Dauerausstellung sind die Druckplatten für die Lebensmittelmarken. Sie dienten dafür, dass der Staat Marken in riesiger Menge herstellen konnte. Man drückte die eingefärbten Platten auf ein Blatt Papier und stempelte so viele Marken auf einmal. Ich habe dieses Objekt gewählt, da ich möchte, dass mehr Menschen darauf aufmerksam werden. Es wirkt ungewöhnlich, sagt aber viel über den Alltag im Krieg und über die Frage, wer damals wie viel zum Essen bekam.
Beschreibung
Zu sehen sind mehrere graue Metallplatten, die in der Vitrine übereinanderliegen. Auf der Oberfläche sitzen Platte an Platte kleine, gleich große Kästchen mit winziger Beschriftung, fast wie ein Raster. Eine bestimmte Platte hat außerdem einen größeren Block mit einem rechteckigen Ausschnitt und einem runden Zeichen. Sie sehen aus wie Platten aus Bleilegierungen. Die Oberflächen sind stumpf, schmutzig und an manchen Stellen beschädigt, die feinen Linien kann man aber noch gut erkennen. Die Platten datieren auf das Jahr 1944.
Wie aus Platten Marken wurden
Eine Lebensmittelmarke war ein kleiner Papierabschnitt, der für eine bestimmte Menge und Art eins Lebensmittels galt. Mehrere Marken waren zu einer Lebensmittelkarte zusammengelegt. Seit Kriegsbeginn 1939 konnte man offiziell nur noch einkaufen, wenn man solche Karten hatte. Beim Bezahlen reichte das Geld also nicht unbedingt, man musste daneben auch die passenden Marken abgeben. Hergestellt wurden die Marken mit Platten wie diesen. Jedes einzelne Kästchen auf der Platte ist der Abdruck für eine einzelne Marke. Die Platte wurde eingefärbt mit den jeweiligen Farben, meistens schwarz, und auf bunten Blättern gestempelt, sodass auf einen Schlag viele Kärtchen entstanden. Danach mussten sie nur noch voneinander getrennt werden.
Der Bedarf war riesig. Zu Beginn galt eine Zuteilung vier Wochen lang und es gab eine Karte für mehrere Lebensmittel gleichzeitig. Später kamen getrennte Karten für Brot, Fleisch, Fett oder Eier dazu, die man an ihrer Farbe erkannte: Rot stand für Brot, Gelb für Eier usw. Ein Teil der Karten war sogar voreilig vor der Kriegszeit gedruckt und daraufhin in Tresoren gelagert worden, damit der Staat sofort dazu greifen konnte. Da jede Zuteilung nur für einen bestimmten Zeitraum galt, mussten sie aber immer wieder neue Marken herstellen. Platten wie diese waren also ständig in Verwendung.
Gefunden am Domplatz
Gefunden wurden die Druckplatten bei Grabungen auf dem Domplatz in Münster. Wie kamen die Druckplatten hier her? Sie stammen aus der Druckerei Regensberg, die am Domplatz in Münster stand und höchstwahrscheinlich 1944/45 ausgebombt wurde und nach dem Krieg in Trümmern lag. Es handelt sich um amtliche Druckplatten, besser gesagt also um Platten für offizielle Marken, die in der Druckerei hergestellt wurden. Nachdem Krieg siedelte sich die Druckerei am Stadtrand an.
Die „gerechte“ Aufteilung
Normalerweise regelten Angebot und Nachfrage, wer was bekommt. Doch im Krieg setzte der Staat diese Kärtchen ein. Weil Lebensmittel knapp waren, sollte jede Person Essen in festgelegten Mengen und zu festen Preisen erhalten. Die Karten dienten zur „gerechten“ Verteilung des mangelnden Essens. Außerdem mussten auch Bauern ihre Überschüsse zu amtlichen Preisen abliefern. Wer das Privileg hatte sich selbst zu versorgen bekam keine Marken. Alle anderen Menschen hingegen waren komplett auf ihre Karten angewiesen.
Wer wie viel bekam -> Arbeit, Alter und Kalorien
Personen, die Karten bekamen, wurden meistens in Arbeitsgruppen oder generell in Gruppen eingeteilt. Die größte Gruppe waren die „Normalverbraucher“. Mehr Kalorien, also umso mehr Energie und Nährwerte zum Wachsen, bekamen Arbeiter:innen mit Anstrengungen, Kranke, Schwangere und stillenden Mütter und alle anderen die schwer oder abends arbeiteten. Es gab Karten für Brot und Mehl sowie für Fleisch, Fett, Eier und Marmelade/Zucker. Aber nicht nur Lebensmittelmarken waren vorhanden, sondern auch unterschiedliche Konsumgüter wie z.B. Kohle, Zigaretten, Alkohol, Kleidung, Seife und Benzin waren nur über Bezugsscheine verfügbar. Für bestimmte Anlässe wie die Geburt eines Kindes konnten Menschen Sonderscheine erhalten und auch Kriegsurlauber bekamen sie. Die regulären Lebensmittelmarken haben nur in den eigenen Wohnorten funktioniert, trotz dessen gab es Sonderscheine die für Soldaten im Urlaub und Eltern mit Säuglingen geeignet waren. Auch gab es für Jugendliche andere Karten. Außerdem bekam jedes einzelne Familienmitglied seine eigenen Lebensmittelkarten. Es gab keine Sammelkarten für die ganze Familie.
Wie knapp das Essen wurde, zeigen die Wochenrationen eines „Normalverbraucher:innen“ im Verlauf des Krieges. Die Rationierung begann von September aus 1939 worauf die Mengen Schritt für Schritt sanken bis zu dem März 1945.
Die wöchentlichen Rationen eines „Normalverbrauchers“ (z. B. Hausfrauen, Angestellte) beliefen sich im Zweiten Weltkrieg auf: