17.07.2020

Klappe, die Erste! Dreharbeiten an den Teufelssteinen

Vor zwei Wochen habe ich als wissenschaftliche Volontärin für das Sonderausstellungsprojekt Stonehenge angefangen und heute stand der erste Außentermin an: Ich durfte die beeindruckenden Düwelsteene bei Heiden besuchen. Die Düwelsteene sind ein neolithisches (jungsteinzeitliches) Ganggrab, das etwa 3500 v. Chr. aus Findlingen erbaut und bis ungefähr 2700 v. Chr. genutzt wurde. Die Menschen, die in der Umgebung lebten, haben dort ihre Verstorbenen bestattet. Obwohl die Steine als „Teufelssteine“ bezeichnet werden, ist der Ort alles andere als ein Bannkreis der Hölle. Das Gelände ist idyllisch im Wald gelegen, gut gepflegt und daher ein sehr beliebtes Ziel von Spaziergängern und Wanderern, die an dem historischen Ort rasten und die Ruhe genießen können.

Wir vom LWL-Museum für Archäologie waren am 15. Juli 2020 allerdings zum Arbeiten dort: Da wir in der Ausstellung, die im Herbst 2021 eröffnen wird, nicht nur das englische Monument Stonehenge, sondern auch die Großsteinbauten Westfalens vorstellen wollen, haben wir die Düwelsteene besucht, um Foto- und Filmaufnahmen zu machen und Vertreter der „Initiative Düwelsteene“ zu interviewen. Wir, das sind Projektleiterin Kerstin Schierhold, Museumspädagoge und Regisseur Kai Bernhardt, Leo Klinke, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Altertumskommission für Westfalen, und ich, Tabea Malter. Auf unsere Einladung hin kamen der Bürgermeister der Stadt Heiden, Hans-Jürgen Benson, und zwei Vertreter der „Initiative Düwelsteene“, Wilhelm Gantefort und Gerhard Weber, um vor der Kamera von der Bedeutung der Steine für das kulturelle Leben Heidens und seiner Umgebung zu berichten. Ihre spannenden und amüsanten Anekdoten zu dem Monument werdet ihr nächstes Jahr in unserer Ausstellung hören können.

Kerstin Schierhold und Leo Klinke informierten die Anwesenden außerdem über den Stand des Citizen-Science-Projekts zu den Düwelsteenen: Bürger*innen Heidens und Umgebung sind dazu aufgerufen, ihre privaten Fotoarchive nach Bildern von und mit den Düwelsteenen zu durchforsten. Gesucht werden Fotos, auf denen das Großsteingrab zu sehen ist, zum Beispiel Familienfotos vom Sonntagsausflug an die Steine, Fotos von Jagdgesellschaften, die dort posierten, und so weiter. Dabei gilt: „Je oller, je doller!“ Also je älter die Bilder sind, desto besser.

Die Wissenschaftler*innen brauchen die Fotoaufnahmen, um mehr über das Aussehen des Grabs vor seiner – damals archäologisch nicht begleiteten – Rekonstruktion in den 1930er Jahren zu erfahren. Mit den heutigen, neuen Technologien kann das Grab immer besser und genauer rekonstruiert werden – virtuell, mit Computerprogrammen und ohne das Denkmal selbst noch einmal verändern zu müssen. Dafür werden möglichst viele und genaue Informationen zum Zustand des Grabs vor der Rekonstruktion gebraucht und diese Informationen können die alten Fotos bieten. Die Bürger*innen können also den Wissenschaftler*innen helfen und dazu beitragen, die Geschichte der Düwelsteene, die Bauweise des Grabs, sein ursprüngliches Aussehen und seine Funktion besser zu verstehen.

Und die Heidener*innen liefern! Seit Anfang des Jahres sind bei der Altertumskommission für Westfalen schon viele Fotos eingegangen, die aufschlussreiche Details erkennbar machen. Aber das Projekt ist noch nicht abgeschlossen, je mehr Fotos eingehen, desto besser. Wer also zu Hause zwischen Dachboden und Keller noch weitere Aufnahmen der Düwelsteene findet, kann diese gerne an die Altertumskommission für Westfalen senden, per Post (An den Speichern 7, 48157 Münster) oder per Mail an duewelsteene@lwl.org.
=> Weitere Infos zum Projekt

Tabea Malter, Wissenschaftliche Volontärin

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