27.07.2012

(11) Runde Sache(n). Ringe aus Westfalen.

Nun ist es soweit…

Am 12. Juli 2012 um 10 Uhr wurde vom LWL-Museum für Archäologie in Herne zum Pressegespräch anlässlich der Studio-Ausstellung „Runde Sache(n). Ringe aus Westfalen“ geladen. Empfangen wurden die Vertreter von Funk und Presse durch Museumsleiter Dr. Josef Mühlenbrock, Marina Dessau als Vertreterin der Studierenden sowie Prof. Dr. Dr. h. c. Torsten Capelle.

Während des Termins fand eine Begehung der Ausstellung statt, wo noch die letzten Feinheiten für die große Eröffnung am Abend vollendet wurden. Dies bot den Vertretern der Medien die Möglichkeit, zusätzliche Informationen von Mitarbeitern des LWL-Museums, welche hinter den Kulissen den Studierenden mit Rat und Tat zur Seite standen, zu erhalten.

Im Pressegespräch wurde durch die drei Vertreter die Entwicklung, welche das Projekt „Ringe“ durchlaufen hatte, erörtert. Das Projekts entstand  durch die Idee von Prof. Dr. Dr. h. c. Torsten Capelle, welcher sich über Jahre hinweg mit Ringen, besonders denen aus Westfalen, beschäftigt hatte. Mit diesem Gedanken, die er in seiner Publikation „Runde Sache(n): Ringe aus Westfalen“ begleitend zur Ausstellung verschriftlichte, und der Überlegung, dies in eine Ausstellung umzuwandeln, trat er an Dr. Mühlenbrock heran. In Form eines Seminars, welches den Studierenden der Ruhr-Universität Bochum angeboten wurde, wurde diesem Projekt Leben eingehaucht.

Über den Ablauf des Seminars berichtete die Vertreterin der Studierenden, Marina Dessau. Sie beschrieb, wie die einzelnen Arbeitsgruppen, Gestaltung, Medien, Museumpädagogik, Objekt Handling sowie Texte, unter tatkräftiger Unterstützung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des LWL-Museums, Schritt für Schritt die Entwicklung einer Idee bis hin zur Umsetzung mitgestalten durften. Die einzelnen Entwicklungsschritte der Ausstellung wurden durch Einträge der Studierenden auf diesem Museumsblog begleitet. Marina Dessau stand den Journalisten und Journalistinnen souverän Rede und Antwort, sodass am nächsten Tag die lokale Presse ausführlich über die Ausstellung berichtet hat.

Luisa Nienhaus
Bilder 1-3: Mathias Maas

Die Studioausstellung unter dem oben genannten Motto wurde mit einem Fachvortrag von Professor Dr. Dr. h. c. Torsten Capelle um 18h eröffnet. Hierzu hatte der Verein der Freunde und Förderer des LWL-Museums für Archäologie - Westfälisches Landesmuseum - Herne eingeladen. Der Vortragsraum im LWL-Museum war bis auf den letzten Platz besetzt. Neben zahlreichen Interessierten waren auch die Archäologie-Studierenden der Ruhr-Universität Bochum anwesend, unter deren Mitarbeit die Ausstellung konzipiert wurde.

Nach den einleitenden Worten des Museumsleiters Dr. Josef Mühlenbrock bezüglich des Themas " Ringsymbole im frühen Mittelalter" stellte er den Referenten Professor Dr. Dr. h. c. Torsten Capelle als Referenten vor. Bis 2005 war Professor Capelle ordentlicher Professor am Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Neben einer Ehrendoktorwürde an der Universität Lund wurde er vom schwedischen König zum Ritter erster Klasse des Königlich Schwedischen Nordsternordens ernannt. Durch seine Lehrveranstaltungen und als Vorsitzender bzw. stellvertretender. Vorsitzender der Altertumskommission für Westfalen hat er sich immer als engagierter Förderer der nordeuropäischen und speziell auch der westfälischen Archäologie erwiesen.

In einem kurzweiligen und breit gefächerten Vortrag brachte er den Zuhöreren das Thema des Abends nahe. Bei der Vorstellung ging er zuerst auf die Vielfalt der "runden Sachen" vom viereckigen Boxring (mit Augenzwinkern) bis zum Schmuckstück ein. Ringe waren immer auch vielfältige Symbolträger. Manche waren nur Beigaben bei Bestattungen, andere wurden getragen und benutzt. Sie schmückten Götterbilder und Statuen, so dass sie im Besitz der Gemeinschaft waren. Ringe hatten einen solch starken Symbolcharakter, dass sie eine Statue oft als einziges Attribut schmückten.
Als Eidringe wurden sie zum Schwur in die Hand genommen. Schon damals wunderschöne goldene Halskragenringe wurden in Jütland als Weihschmuck getragen.
Bei den Germanen kamen sie als rundstabig gedrehte Kapselhalsringe bei den Eliten vor. Als Armreif wurden goldene Ringe stets am rechten Handgelenk und damit der Schwerthand getragen. Damit wurden sie sichtbares Emblem, zumal der Träger sie nicht abstreifen konnte.
Auch als Schwertringe hatten sie Symbolcharakter. Teilweise wurden sie direkt bei der Schwertherstellung angebracht, meistens jedoch im Nachhinein. Die gezeigten Ringknaufschwerter gehörten einem höheren gesellschaftlichen Stand, da sie nur in prunkvollen Kriegergräbern gefunden wurden. Durch den Ring wurde die Zugehörigkeit zu einem Orden ausgedrückt. Die gefundenen Ringknaufschwerter waren meist aus Gold und nie aus Eisen.
Als Namensringe, Monogrammringe oder sächsische Königsringe identifizierten sie ihren Besitzer oder den Schenker.
Manche Ringe waren so bedeutend, dass sie über ihren Namen zugeordnet werden konnten, wie zum Beispiel der Ring " Draupnier" dem nordischen Gott Odin. Diesen Ringen wurden magische Kräfte zugesprochen.
Der Zuhörer wurde durch den kurzweiligen und unterhaltsamen Vortrag, bei dem viele Kulturen und Zeitepochen gestreift wurden, von der Vielfältigkeit eines Alltagsgegenstandes beeindruckt. Als Abschluss wurde bei Laugenringen und Sekt die ebenso interessante Studioausstellung eröffnet.

Simone Haack

Nach dem Vortrag von Prof. Torsten Capelle strömten alle in freudiger Erwartung zur Dauerausstellung, um sich endlich die fertige Ausstellung anzusehen. Neben dem Eingang gab es die bereits angekündigten Laugenringe sowie leuchtende Armringe und selbstverständlich auch ein Glas Sekt zum Anstoßen.

Einen nach dem Anderen zog es in die „graue Mitte“, in der die Studioausstellung platziert ist. Nach einem Semester Planung bot sich nun die Gelegenheit, die fertige Ausstellung zu betrachten und sie Familien, Freunden und Bekannten sowie weiteren Kulturinteressierten zu präsentieren.
Überall war ein gewisser Stolz in den Gesichtern zu sehen, wenn der selbst geschriebene Text, aufwendig recherchierte Bilder oder umgesetzte Ideen entdeckt wurden.

Jeder konnte etwas Spezielles zu den Objekten und Themen sagen, mit denen wir uns ja eine Weile beschäftigt hatten. Es wurde diskutiert und gratuliert und auch ein wenig kritisiert.

Im Anschluss hatten wir die Möglichkeit, den erfolgreichen Abschluss unserer Zusammenarbeit noch einmal gebührend zu feiern. Wir hatten im Laufe des Abends viel Spaß und sind trotzdem ein bisschen traurig nach Hause gegangen, weil das Seminar wieder vorbei war.

Marie Usadel
Bild 7: Simone Haack

Kategorie: Sonderausstellungen

Schlagwort: