21.08.2012

Drachenblut und Spinnenbein

In diesem Jahr gab es im LWL-Museum für Archäologie ein Kinder-Ferienprogramm der besonderen Art: Gemeinsam mit der Theaterpädagogin Marianne Gorissen konnten acht Kinder zwischen 8 und 10 Jahren Theaterluft schnuppern. In drei  Tagen haben sie ein Stück erarbeitet, Rollen gelernt, Bühnenbilder gebaut, Kostüme gebastelt und konnten ihren begeisterten Eltern und Verwandten mit viel Lampenfieber eine tolle Uraufführung anbieten.

Mit Archäologie hatte das Ganze auch zu tun. Thema des Stückes war nämlich die Geschichte von Gilgamesch, einem babylonischen Helden, dessen Taten sich auf Tontafeln überliefert haben, die im 19. Jahrhundert bei Ausgrabungen wiederentdeckt wurden. Um diese anspruchsvolle Geschichte kindgerecht zu präsentieren, wurden gewisse Details und Rollen zum Teil hinzugefügt oder gekürzt.

08.08.12

Damit sich die Kinder mit dem Stück und ihren Rollen vertraut machen können, malen sie ihre Charaktere zunächst. Auf diese Weise hat man von der abstrakten Figur ein Bild vor Augen. Es gibt neben Gilgamesch und Enkidu unter anderem einen Jäger, eine Priesterin und sogar einen Archäologen.

Damit sich jeder besser in die Rolle hineinversetzen kann, bekommt jede Figur einen Namen sowie eine gute und eine schlechte Eigenschaft. Da diese kurz vor Mittag zugeteilt wurden, haben sie oft etwas mit Kochen zu tun. König Gilgamesch kann beispielsweise eigentlich gut kochen, insbesondere Pfannkuchen. Allerdings kann er sie nicht wenden, sie bleiben jedes Mal an der Decke kleben! Die Kinder haben für den Archäologen einige Tontafeln mit geheimnisvoller Inschrift gebastelt, die als Requisite dienen.

Die Vorbereitungen sind nachmittags bereits im vollen Gange. Die Kinder proben, wie man mit einfachen Mitteln einen Mauerbau darstellen kann. Im immer schneller werdenden Rhythmus, gibt Marianne Gorissen mittels Klanghölzern den Takt an. Das soll bei der Aufführung übermorgen auch so gezeigt werden.

09.08.12

Stück für Stück leitet Marianne Gorissen ihre jungen Talente zur Aufführung. Erst einmal wird der Text in den verteilten Rollen laut vorgelesen. Die Geschichte wird greifbar. Die Kinder beginnen dann, ohne Text zu proben. Es soll ja improvisiert werden. Mit Text und zu vielen Requisiten halten sich die Kinder zu sehr daran fest und spielen nicht frei. Stupides Auswendiglernen bringt wenig Spaß. Es geht schließlich darum, den Sinn des Stückes und die Geschichte zu erfassen, um sie dem Publikum darbieten zu können. Auf diese Weise muss sich ein jeder aber auch ein wenig aktiv mit der Rolle vertraut machen. So lernt zum Beispiel der Jäger, wie man mit Pfeil und Bogen umgeht.

10.08.12

Heute Nachmittag um 14 Uhr ist es soweit: Die Kinder präsentieren das Stück ihren Freunden und Familien. Früh zogen die Jungen und Mädchen von der Museumspädagogik in den Vortragssaal, wo sie ihr Stück präsentieren. Die Requisiten und Kostüme haben sie im Gepäck. Gleich wird ausprobiert, wie das Schafsfell einem steht oder der Sonnenhut, während man nach und nach die einzelnen Elemente des Bühnenbildes aufbaut.

Schon am Vormittag sorgt die Gruppe dafür, dass sich die Zuschauer nachmittags vor der Türe sammeln werden – man wird abgeholt und in die Szene hereingebracht, heißt es auf einem Schild.

Die Generalprobe findet bereits in Kostümen statt und man probiert ein wenig aus, wie was am besten passt. Einige Tricks werden ausprobiert. Mithilfe von größeren Holzklötzen und einem großen Tuch ist der Felsen dargestellt. Vor der Entdeckung durch den Archäologen ruhen unter dem Felsen die einstigen Bewohner Uruks.

Schon während der Generalprobe sind die Kinder sehr aufgeregt. Aber das gehört schließlich dazu. Die Begeisterung für das Spiel ist den Kindern auf jeden Fall in die Gesichter geschrieben.

Familie und Freunde der Schauspieler und einige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des LWL-Museums für Archäologie kommen pünktlich zur Aufführung und sind von der Geschichte und deren Akteuren begeistert. Auch die Eltern der Kinder lobten Marianne Gorissen nach der Aufführung, es ist unglaublich, wie diese doch anspruchsvolle Geschichte von den Kindern in so kurzer Zeit aufgeführt werden konnte!

Das Stück schließt passend mit dem Satz des Archäologen: „Diese Nachricht muss ich der Welt verkünden!“

Neben der Schauspielerei bekommen die jungen Talente allerlei auf den Weg: Teamwork, Phantasie, Auffassungsgabe und nicht zu vergessen: Kreativität.

Janina Lamowski M. A.
Wissenschaftliche Volontärin

Kategorie: Sonstiges

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