12.02.2011

ANTHROPOLOGIE – KEINE KNOCHENTROCKENE WISSENSCHAFT

Knochen und Zähne sind die härtesten Bestandteile des menschlichen Körpers. Sie können viele Jahrtausende erhalten bleiben. Anthropologen untersuchen sowohl Skelette als auch verbrannte Knochen von toten Menschen. An bestimmten Merkmalen erkennen sie das Geschlecht und die Größe einer Person. Veränderte Knochen geben Hinweise auf Alter, Krankheiten und Verletzungen sowie Lebens- und Ernährungsweisen. Wenn sie alle Toten eines Friedhofs untersuchen können, lernen die Anthropologen viel über die jeweilige Bevölkerung: Wer war miteinander verwandt? Gab es mehr Männer als Frauen? Wie alt wurden die Menschen? Starben viele Säuglinge und Kinder? Die prähistorische Anthropologie schafft ein Bild von den Lebensumständen, Krankheiten und Verwandtschaftsverhältnissen in längst vergangenen Zeiten.

Zunächst legt die Anthropologin einen Untersuchungsbogen an.

Am Schädel ...

... und am Becken bestimmt sie das Geschlecht der Person.

Sie sägt einen Knochen auf, um das Alter der Person zu schätzen.

Auch anhand der Schädelnähte kann sie das Alter eines Menschen bestimmen.

Die Vermessung des Oberschenkelknochens zeigt, wie groß eine Person ungefähr war.

An den Knochen kann die Forscherin Krankheiten erkennen und bestimmen.

Fall Warburg

DAS GESICHT AUS DER VERGANGENHEIT
Über die Menschen vor etwa 5400 Jahren haben Wissenschaftler viel herausgefunden. Ein Geheimnis aber blieb offen: Wie sahen sie aus? An dem Schädel eines 30- bis 40-jährigen Mannes aus Grab III von Warburg kam modernste Technik zum Einsatz: Ein Kriminologe der Pariser Polizei ermittelte mit Hilfe eines Computers das ursprüngliche Aussehen des Toten. Anhand des Phantombildes modellierte eine Künstlerin ein lebensnahes Abbild des Mannes. 

Die Künstlerin hat auf einen Abguss des Schädels Silikon aufgetragen und dieses ähnlich wie die natürlichen Muskelstränge modelliert. An der Knochenstruktur und anhand von Vergleichswerten konnte sie die Stärke der Muskeln sowie der Gewebe- und Fettschichten ermitteln.

Das Gesicht ist fertig rekonstruiert, aber noch fehlen sämtliche Haare.

Für die Kopfhaare, Augenbrauen, Wimpern und den Bart hat die Künstlerin echte menschliche Haare einzeln eingepflanzt. Nachdem das blasse Silikon bemalt ist, wirkt die Rekonstruktion des Mannes aus Grab III von Warburg lebensecht.

Kategorien: Wissenswertes · Forscherlabor

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