Bestattungen in der Bronzezeit
In der Regel gab es, wie heute, zwei Möglichkeiten der Bestattung: die Bestattung des verbrannten oder die des unverbrannten Toten. Die Brandbestattung etablierte sich in Westfalen zwar auch während der Bronzezeit, jedoch erst zwischen 1250 und 750 v. Chr. Bei einer Körperbestattung wurde der Verstorbene in einem Sarg, oft bestehend aus Holz, beigesetzt. Bei einer Feuerbestattung konnte der Leichenbrand (verbrannte Überreste eines Verstorbenen) auch in einem kleineren Behältnis, in einer Urne, bestattet werden. Selten wurden, wie bei der Pithosbestattung von Ostbevern-Schirl, Tongefäße für Körperbestattungen eingesetzt. Anhand der bisherigen Funde (Mittel- und Süddeutschland) kann man feststellen, dass im Falle einer Pithosbestattung besonders große Becher mit einer Höhe von ca. 30 bis 55 cm und einem deutlichen Umfang genutzt wurden.
Ebenfalls nachzuweisen ist, dass sowohl unverzierte, schlichte, aber auch verzierte Urnen im Bestattungswesen genutzt wurden, so wie in Ostbevern-Schirl.
Häufig finden sich, auch in frühbronzezeitlichen Gräbern, verschiedene Grabbeigaben, wie Brot, Schmuck, Waffen oder Alltagsgegenstände; bei dieser Pithosbestattung sind jedoch keine Beigaben gefunden worden (Abb. 4). Trotzdem wurde die Bestattung sehr gewissenhaft und liebevoll vorgenommen, ähnlich wie wir es auch aus unserer Gegenwart kennen. Die Pithosbestattung von Ostbevern-Schirl ist ein weiteres Bespiel dafür, dass auch vor knapp 2000 Jahren die Toten mit Respekt und Fürsorge bestattet wurden.
Am Ende dieses Beitrags möchte ich alle Leser und Leserinnen motivieren, sich die tolle Dauerausstellung im LWL-Museum für Archäologie Herne persönlich anzuschauen, denn sie präsentiert Jahrtausende alte Funde auf eine informative und vor allem auch moderne Art und Weise. Ein spannendes Erlebnis ist garantiert!
Sarah Niedzwecki, studentische Praktikantin
Literaturverzeichnis:
Herring, Beate: Die Gräber der frühen und mittleren Bronzezeit in Westfalen, Mainz 2009.
Stapel, Andrea: Wiege für die Ewigkeit: Die Pithosbestattung aus Ostbevern-Schirl. In: D. Bérenger und C. Grünewald (Hrsg.), Westfalen in der Bronzezeit (Münster 2008), S. 128.
Straßmann, Arno: „Das Volk ist nicht edel, das seine Toten nicht ehrt.“ In: Heimatpflege in Westfalen, 22. Jg., 6/2009.
https://100jahre100funde.lwl.org/de/100-fundeepochen/bronzezeit/020-kinderbestattung/; abgerufen am 21.09.2020.
Abbildungsnachweise:
Abb. 1: © LWL-Archäologie Westfalen/S. Brentführer
Abb. 2: © Andrea Stapel (aus: Westfalen in der Bronzezeit 2008, S. 128, Abb. 1)
Abb. 3: © LWL-Museum für Archäologie/C. Moors
Abb. 4: © Westfälisches Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte (aus: Neujahrsgruß 1980–1985, S. 52 Abb. 22)
© Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)