Die Gestaltungidee zur Ausstellung: Vier Fragen an Erich Woschitz

21.06.2021 Astrid Jordan

Erich Woschitz hat die Gestaltungsidee für die Sonderausstellung STONEHENGE entwickelt. Der gebürtige Österreicher lebt in Stegersbach im Burgenland und hat ein Architekturbüro in Wien. Er hat zahlreiche internationale Ausstellungsprojekte umgesetzt, so z.B. eine Ausstellung über Armut im Historischen Museum der Stadt Wien oder für die Kulturhauptstadt Hermannstadt in Rumänien 2007. Im Interview hat Herr Woschitz uns erste Details zur Architektur und zur Gestaltung der Sonderausstellung verraten.

Interview mit Erich Woschitz, Ausstellungsgestalter Stonehenge (Länge: 6:21 min.)

Astrid Jordan: Herr Woschitz, Sie waren im März 2020 zum ersten Mal in Herne und haben die Sonderausstellungshalle besichtigt. Der Raum hat eine Höhe von zehn Metern und eine Fläche von 800 Quadratmetern. Welche Möglichkeiten und welche Herausforderungen bietet diese Ausstellungsfläche für Sie?

Erich Woschitz: Die Halle ist eigentlich sehr klein, wenn man sich die Dimensionen von Stonehenge vor Augen führt. Deswegen haben wir uns auf diesen inneren hufeisenförmigen Steinkreis reduziert. Aber auch Bau- und Stilelemente von Stonehenge wie zum Beispiel die Kreisgräben (Anm. der Redaktion: ringförmige Grabenkonstruktion um Stonehenge) in die Ausstellungshalle mit einbezogen.

A.J.: Wir sehen tatsächlich 1:1 große Repliken des inneren Steinkreises in der Ausstellung, die bis zu sieben Meter hoch sind. Man kommt also näher an den Steinkreis heran als in England, wo das Monument für gewöhnlich weiträumig abgesperrt ist. Wie werden die Besucher:innen in der Ausstellung zu diesem zentralen Element hingeleitet?

E.W.: Es gibt immer zwei Fragen am Beginn jeder Ausstellung: Worum geht es und wie machen wir es? Ich versuche, mir aus den wissenschaftlichen Texten eine oder mehrere Stellen herauszusuchen und daraus eine konstruktive gestalterische Idee zu entwickeln. Bei Stonehenge war es so: Die Halle lässt den 1:1-Nachbau dieser inneren Hufeisenform zu, alles andere muss dann verkürzt dargestellt werden.

Aber beim Lesen bin ich darauf gestoßen, dass es zu bestimmten Zeiten – zur Sommer- und Wintersonnenwende – Prozessionen gegeben hat, die die Menschen damals mit diesem Steinkreis in Verbindung gebracht haben. Diese Achse in der Ausstellungshalle aufzubauen, erschien mir ein sehr starkes Element. Der:die Besucher:in wird aber beim Betreten nicht sofort alles sehen, sondern er:sie kommt zunächst in den Bereich, der Blick Mead genannt wird. Das ist die Landschaft rund um Stonehenge. Sie besteht aus Wald, Wiesen und Wasserflächen. Ich habe nur ein kleines Guckloch vorgesehen, das den:die eintretende:n Besucher:in in diese Landschaft hineinleitet. Es gibt ihm:ihr schon zu Beginn die Möglichkeit, das zu sehen, worauf er:sie sich später im Laufe des Rundgangs zubewegt.

A.J.: Sie gestalten also eine Sichtachse hin zu diesem zentralen Ausstellungselement. Bereits vor dem Eintritt in die Halle werden die Besucher:innen im Foyer mit einer Projektion empfangen und emotional ins Thema geholt. Was haben Sie da geplant?

E.W.: Es geht bei diesem Ausstellungsprojekt ja nicht nur um Stonehenge, sondern auch um Querverbindungen zum Ruhrgebiet.

Ich bekam den Auftrag, mit der Stonehenge-Ausstellung auch einen Blick in das Bergwerkswesen des Ruhrgebiets zu geben. Da habe ich mir gedacht: Die Archäolog:innen blicken in den Boden und schauen was darin liegt, die Bergleute tun ähnliches. Das könnte man schön verzahnen. Deswegen gibt es die Installation „Blick in den Boden“.

A.J.: Die Sonne haben Sie schon angesprochen. Sie spielt für Stonehenge eine besondere Rolle. Die „Trilithen“ (Anm. d. Red. torartiger Durchgang aus zwei Tragsteinen und einem Deckstein) sind ja besonders ausgerichtet, sodass man am Tag der Sommer- und Wintersonnenwende genau in der Mitte diesen Sonnenaufgang sehen kann. Das wird in der Ausstellung mit aufgenommen. Sie arbeiten mit besonderen Lichtstimmungen und einem speziellen Farbschema.

E.W.: Genau. Diese große Raumdimension, diese Weite von Stonehenge war mir ein Anliegen, sie „original spürbar“ zu machen, sodass wir vielleicht über einen Tag verteilt eine morgendliche, kühlere Blaulichtstimmung haben, die dann zum Nachmittag hin in eine gelblich-rötliche, wärmere Stimmung wechselt, wie es auch in der Wirklichkeit ist.

In der Farbgestaltung dominieren gelb, blau und grün. Das spiegelt Stonehenge und seine Umgebung wider. Wir haben diese dunkelgrauen Steine, wir haben den grünen Boden, es ist ja alles Gras. Man darf heute nicht mehr hin. Ich kann mich erinnern – ich war in den 70er Jahren das erste Mal dort – da konnte man noch hingehen, konnte die Steine anfassen. Das darf man heute nicht mehr, es ist alles abgesperrt.

Die Farbgebung hat sonst eine ganz einfache Abfolge. Und zwar, wenn man so in die Landschaft hinausblickt, dann ist das, was näher ist, dunkel und das, was weiter entfernt ist, wird immer heller. Und so wird man es auch in der Ausstellung sehen. Der erste Teil wird ein dunkleres Grau sein, der sich dann bis zum inneren Steinkreis immer weiter aufhellt.

A.J.: Die ersten Einblicke versprechen schon einiges, wir sind gespannt auf das Ergebnis. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Woschitz!

Hier geht es zur Homepage der Sonderausstellung

⇑ Zum Seitenanfang