Erfahrungsbericht unserer Praktikantin Linda

07.08.2014

©Cornelia Moors

Immer wenn man in ein Museum geht, sieht man die schönen Exponate. Liebevoll inszeniert, um dem Besucher einen visuellen Genuss in das jeweilige Museums- oder Ausstellungsthema zu bieten. Doch was steckt eigentlich hinter der zauberhaften Museumsfassade? Was passiert hinter den Türen, die für den Besucher verschlossen bleiben? Das habe ich mich auch gefragt und hatte mich entschlossen, mich hinter die Kulissen zu schleichen, um mich einmal mit den Arbeiten von Direktoren, Kuratoren, Referenten und Volontären zu befassen.

Auf meiner Suche nach einem passenden Museum bin ich auch auf das LWL-Museum für Archäologie in Herne gestoßen, was sofort mein Interesse weckte. Also bewarb ich mich dort ganz spontan auf einen Praktikumsplatz. Bald darauf erhielt ich eine Einladung zu einem Gespräch und auch die erfreuliche Zusage, für 9 Wochen im Haus arbeiten zu dürfen.

©Linda Buch

Die Aufgabenfelder: Kreativität und Eigeninitiative erwünscht.

Vor Beginn des Praktikums hatte ich ein wenig Angst, dass es so werden könnte, wie andere Prakitka, die ich besuchte. Dort war ich bloß Mädchen für alles, was mich natürlich daran hinderte, mich in die Praxis der jeweiligen Tätigkeitsbereiche einzufinden. Doch in Herne kam es anders, als befürchtet.

Oberste Priorität hatte das Kennenlernen aller Bereiche im Haus. Ich beteiligte mich an internen Besprechungen und lernte etwas über die Arbeitsvorgänge, um eine Ausstellung und einen dazugehörenden Katalog auf die Beine zu stellen. Gemeinsam mit Museumspädagogen, die als freie Mitarbeiter im Museum arbeiten, begleitete ich Besuchergruppen und beobachtete die verschiedenen Möglichkeiten, Wissen an Wissensdurstige zu vermitteln.

Da zu meiner Zeit gerade keine professionelle Gestalterin zugegen war, konnte ich ein paar gestalterische Ideen und Arbeiten beisteuern. Obwohl ich mich nicht auf dem Niveau eines Mediengestalters bewege, wurden meine Beiträge angesehen. Zwar musste hier und da mal etwas verschönert oder aufgepeppt werden, aber meine Arbeiten wurden ebenso in den Arbeitsverlauf eingebunden und berücksichtigt, wie die eines echten Mitarbeiters.

©Linda Buch/Astrid Jordan

Für die kommende Sonderausstellung "Das weisse Gold der Kelten" durften die anderen beiden Praktikanten und ich sogar wieder kindisch sein. Für das Werbeplakat wollte die Marketingangestellte Astrid Jordan Buchstaben aus Salzkristallen formen und brachte eigene Sandkastenförmchen mit. Also machten wir uns daran, alle Buchstaben zu formen, die wir brauchten und sie zu fotografieren.

Fotos wurden sowieso öfter mal gebraucht. So kam es, dass ich auch mal in die Dauerausstellung musste, um Fotos für andere Mitarbeiter und verschiedene Zwecke anzufertigen.

Für kommende Ausstellungen zum Beispiel habe ich mich auch mit verschiedenster Literatur beschäftigt und recherchiert.

Dazu standen uns nicht nur die Bücher in der Museumsbibliothek zur Verfügung, sondern auch die Bibliotheken im Umkreis von Herne.

Für die kommende Landesausstellung fertigte ich sogar Ausstellungstexte an, die die Exponate und ihre Fundorte interessant darstellen sollen.

©LWL/Kuhn

Ebenfalls lernte ich etwas über die Pflege der Exponate der Dauerausstellung. Die 250 Vitrinen müssen von Zeit zu Zeit auch von Innen gereinigt werden. Das ist nicht gerade ein leichtes Unterfangen, das schnell erledigt ist. Es wird Schritt für Schritt, von Vitrine zu Vitrine gegangen, was natürlich eine vorausschauende Planung und Organisation erfordert. Dann werden die einzelnen Vitrinen abmontiert, sodass alles gründlich gereinigt werden kann. Dabei darf nur der Restaurator die Exponate von ihren Schauplätzen entnehmen. Er ist für die Erhaltung und Sicherheit der Stücke verantwortlich.

©Cornelia Moors; Stand: 21.07.2014

Ein Projekt, das mir sehr ans Herz gewachsen ist, ist das Langzeitprojekt "Salzkristalle züchten". Dazu haben die wissenschaftliche Volontärin Cornelia Moors und ich einen Behälter mit einer Salzlösung angesetzt, um einen hauseigenen Salzkristall aufzuziehen. Das Experiment dient als Projekt, das parallel neben der Sonderausstellung zum Kelten-Salz laufen wird und um Besuchern zu zeigen, was man mit Salz alles machen kann.

Der Salzkristall steht öffentlich neben der Kasse, sogar ein Salzkristall-Tagebuch haben wir angefertigt, in dem wir den Prozess wöchentlich festgehalten haben.

Jeder Interessierte ist natürlich herzlich dazu eingeladen, selbst einen Salzkristall herzustellen und die Ergebnisse als Bild an das Museum zu schicken, denn auch die sollen ausgestellt werden.

©Susanne Jülich

Ausflüge und andere Events

Neben den Tätigkeiten in den Büro- oder öffentlichen Museumsräumen, hatten wir als Praktikanten auch die Möglichkeit, außerhalb von Herne zu arbeiten und Mitarbeiter auf Dienstreisen zu begleiten.

Eine dieser Reisen führte uns in das Sauerlandmuseum. Das LWL-Museum für Archäologie bekam einen Anruf aus Arnsberg, sie hätten noch Fundstücke aus der Balver Höhle, die sie nicht brauchen könnten. Die Stücke würden uns zur Durchsicht zur Verfügung gestellt, damit nachgeschaut werden kann, ob das Herner Museum davon etwas ausstellen wollte. Gesagt getan – also bin ich mit meiner Chefin Susanne Jülich und der Volontärin Cornelia Moors nach Arnsberg gefahren. Dort haben wir uns die einzelnen Stücke genauestens angesehen, aufgeschrieben, was es zu finden gab und Fotos angefertigt.

Außerdem ließen wir es uns nicht nehmen, uns auch die Ausstellung des Sauerlandmuseums anzusehen.

©http://www.dechenhoehle.de/downloads/fotos/dechenhoehle08.jpg

Da wir uns im Sauerlandmuseum viel mit den Fundstücken aus Höhlen der Region beschäftigt hatten, haben wir uns die Zeit genommen, einige dieser Höhlen zu besuchen. Unter anderem standen wir in der berühmten Balver Höhle. Außerdem nahmen wir bei einer Führung durch die Dechenhöhle teil, einer Tropfsteinhöhle, die im Jahr 1868 entdeckt wurde und schon mehrere hundertausend Jahre alt ist.

©Linda Buch

Ich hatte sogar die Möglichkeit, das LWL-Römermuseum in Haltern am See zu besuchen. Wir haben uns mit Freude an den verschiedenen interaktiven "römischen Baustellen" des Sommerferienprogramms probiert. Außerdem konnte ich mir die Stücke ansehen, mit denen ich mich für die kommende Landesausstellung unter anderem beschäftigt habe.

©Cornelia Moors

Am 28.06.2014 fand die "ExtraSchicht – Nacht der Industriekultur" statt. Hierfür entwarf ich einige Plakate und stellte ein Programm für unser hauseigenes Kino, welches an diesem Abend vorgeführt werden sollte.

Neben dem Kino boten wir unter anderem den Besuchern eine Show der Theatergruppe NotaBene, in der sie historische Figuren zum Leben erwecken ließen und dann mit dem Publikum interagierten. Vor dem Museumseingang bot ein Pyrotechniker seine mitreißenden Feuershow an.

Die Besucher konnten sich während einer Führung oder auch allein die Dauerausstellung ansehen.

Das war ein toller Abend, wie ich finde, der mit ordentlichen Fußschmerzen endete.

©Cornelia Moors

Besser könnte man sich die Zusammenstellung von Mitarbeitern nicht wünschen. Allesamt arbeiten im LWL-Museum für Archäologie sowohl sehr kompetente und professionelle, als auch sympathische Menschen, wegen denen man gerne mal davon absieht, Arbeit und Privates zu trennen.

Sie nehmen einen, wie man ist. Man kann mit ihnen Späße machen und der Umgang ist locker.

Wenn mal ein Problem bestand oder man nicht weiter kam, reichte jeder direkt eine helfende Hand. Man soll zwar Eigeninitiative mitbringen, wird jedoch nicht stehen gelassen, wenn man mal keine Ahnung hat.
Man wird wie ein fester Mitarbeiter behandelt, wie ein Mitglied der Gemeinschaft, nicht wie ein Praktikant – was natürlich daher kommt, dass man in die laufenden Arbeiten integriert wird.

Alles in allem war das Praktikum für mich sehr lehrreich – nicht nur in archäologisch-musealer Hinsicht, auch in zwischenmenschlicher. Ich konnte einen tiefen Einblick in die verschiedenen Bereiche hinter den Kulissen des Museums gewinnen und auch selbst meine eigene Note mit einfließen lassen, ohne dass sie ignoriert wurde.

Ich kann eigentlich jedem empfehlen, sich dort zu bewerben und – falls möglich – ein Praktikum zu machen. Man lernt nicht nur etwas über die Museumsarbeit, sondern auch Menschen kennen, die man ungerne verlassen möchte.

Ich bedanke mich bei allen Mitarbeitern des LWL-Museums für Archäologie, die mir das Praktikum, diesen Einblick, diese wunderbare Erfahrung ermöglichten und mich auf diesem Abschnitt meines Lebens begleiteten und hoffe, dass wir uns bald und oft wiedersehen.

Linda Buch