Symbole als Teil des katholischen Glaubens im zwölften Jahrhundert

01.07.2022 Praktikant:in

Deckel eines Weihrauchgefäßes des zwölften Jahrhunderts Urheber: LWL-Museum für Archäologie, Andreas Ranft, Photograf: Andreas Ranft

Symbole als Teil des katholischen Glaubens im zwölften Jahrhundert

Weihrauch und Taube: ein Exponat, zwei Bilder, viel(e) Bedeutung(en)

Das Exponat half bei katholischen Gottesdiensten im Hochmittelalter. Da ich selbst Katholik bin, interessiert mich auch die katholische Kirchengeschichte. Diese ist im Hochmittelalter besonders spannend, da die katholische Kirche dort zunehmend Macht gewann, die sie leider oft eigennützig entgegen der Lehren Jesu Christi zu Ungunsten der katholischen Gläubigen anwendete. Dieser Artikel thematisiert ein Objekt, das einen kleinen Teil dieser Geschichte darstellt.

Das Exponat ist ein bronzener Deckel eines Weihrauchgefäßes und hat die Form einer Kuppel. Es ist mit Öse 6,8 Zentimeter lang, hat einen Durchmesser von 6,2 Zentimetern, eine Höhe von 4,4 Zentimetern und ein Gewicht von 81,5 Gramm. Auf der Spitze der Kuppel befindet sich eine Taube und am unteren Rand der Kuppel sind drei Ösen in gleichmäßigem Abstand zu einander. Das Exponat stammt aus dem zwölften Jahrhundert und ist sehr gut erhalten.

Das Exponat stammt aus dem zwölften Jahrhundert. Damals entstanden in Westfalen zwei neue Mönchsorden, die Prämonstratenser und die Cisterziensier. Durch sie wurden viele neue Klöster errichtet. Westfälische Bischöfe erhielten im zwölften Jahrhundert durch die Könige des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation viele Ländereien und erlangten so weltliche Macht. Die katholische Kirche war folglich damals für die Menschen in Westfalen eine wichtige Instanz. Die Symboliken, die sie mit Objekten wie dem Exponat schuf, waren daher von zentraler Bedeutung für sie.

Das Exponat wurde in der Marienkirche in Minden in Westfalen gefunden. Durch Erduntersuchungen konnten Archäolog:innen dort Fundamente einer kleineren, älteren Kirche identifizieren. Es ist jedoch noch unklar, aus welcher Zeit diese stammt. Sicher ist, dass dort um 1000 nach Christus ein Kloster des Nonnen-Ordens der Benediktinerinnen stand.

Weihrauch im Gottesdienst Urheber: Pixabay

Das Exponat ist der Deckel eines Weihrauchgefäßes. Weihrauch wird seit der Antike zu kultischen Zwecken verwendet.  In der katholischen Kirche kommt er seit dem neunten Jahrhundert nach Christus bei Gottesdiensten zum Einsatz. Im Mittelalter wurde er ausschließlich bei feierlichen Messen eingesetzt. Der Weihrauch verbildlicht hierbei bis heute Reinigung, also die Befreiung von Sünde, sowie die Verehrung Gottes im Gebet.

Auf diesem Deckel befindet sich eine Taube. Sie hat in der katholischen Lehre mehrere Bedeutungen. In Bezug auf die Taufe Jesu Christi symbolisiert die Taube in Anlehnung an die ägyptische Liebesgöttin Astarte, die mit ihr in Verbindung gebracht wurde, die Liebe Gottes zu den Menschen. Zugleich ist sie mit Bezugnahme auf Pfingsten ein Symbol für den Heiligen Geist. Zudem wird sie mit der Eucharistie, der Feier des letzten Abendmahls im Gottesdienst, und der Wahl von Bischöfen als Vertreter Gottes in Verbindung gebracht.

Darstellung in der Ausstellung Urheber und Photograf: Allan Michael Kant

Das Exponat liegt in der Ausstellung in einem Kubus, der einer frühmittelalterlichen Kirche nachempfunden ist. Dieser befindet sich unmittelbar hinter dem Sachsen-Kubus, der den Besucher:innen die Sachsenkriege verdeutlicht. Im Kubus, in dem das behandelte Exponat liegt, befinden sich zusätzlich weitere kirchliche Exponate aus dem Früh- und Hochmittelalter. An die Wand werden Gesetze projeziert, die Karl der Große zur Christianisierung der Sachsen erließ. Akustisch wird die Szenerie des Kubus‘ durch Kirchenglocken und lateinischen Kirchengesang unterstützt. So stellt dieser Kubus die Veränderungen des Lebens der Sachsen in Westfalen durch die Christianisierung durch Karl den Großen dar. Hierzu passt auch das behandelte Exponat, das in dortigen Gottesdiensten des zwölften Jahrhunderts verwendet wurde.

Der Artikel hat gezeigt, dass für die Katholik:innen des zwölften Jahrhunderts Symbole als Teil ihres Glaubens sehr wichtig waren. Dieses Exponat diente dabei zur Verbildlichung mehrerer Symbole. Daher finde ich es sehr spannend und empfehle jedem/r Museumsbesucher:in, es sich einmal genauer anzusehen.

Literaturverzeichnis:

Benedikt Schwank: Taube. I. Biblisch In: Walter Kasper (Hrsg.) (u.a.): Lexikon für Theologie und Kirche. Neunter Band, Freiburg im Breisgau, 1993, 2006 (3)

Hans-Walter Stork: Taube. II. Ikonographisch In: Walter Kasper (Hrsg.) (u.a.): Lexikon für Theologie und Kirche. Neunter Band, Freiburg im Breisgau, 1993, 2006 (3)

Heinzgerd Brakmann: Taube. III. Liturgisch In: Walter Kasper (Hrsg.) (u.a.): Lexikon für Theologie und Kirche. Neunter Band, Freiburg im Breisgau, 1993, 2006 (3)

Karl Friedrich Kolbow: Geschichte Westfalens, Bochum, 1941

katholisch.de: online im Internet: URL: https://www.katholisch.de/artikel/13225-wohlgeruch-oder-hustenverusacher (besucht am 22.06.2022)

kath.ch: online im Internet: URL: https://www.kath.ch/newsd/die-taube-in-den-religionen/ (besucht am 22.06.2022)

Michael Pfeiffer: Weihrauch In: Walter Kasper (Hrsg.) (u.a.): Lexikon für Theologie und Kirche. Zehnter Band, Freiburg im Breisgau, 1993, 2006 (3)

Otto Schnettler: Geschichte Westfalens. Schulausgabe, Paderborn, 1949