Ein Leuchter um das Böse auszutreiben?

08.07.2022 Praktikant:in

Hochmittelalterlicher bronzefarbender Leuchterfuß mit Drachendarstellung (Urheber: LWL-Museum Archäologie Herne und Fotographin: Cornelia Moors)

Ein Leuchter um das Böse auszutreiben?

Mein Lieblingsexponat - Schimmlige grüne Drachen?

Jeder kennt es, man läuft durch ein Museum, schaut sich die Exponate an, aber besonders eins spricht einen sehr an. Auch ich habe diese Erfahrung gemacht, als ich durch die Ausstellung des LWL-Museum für Archäologie in Herne spaziert bin, da ich dort zurzeit ein zweiwöchiges Schulpraktikum mache. Es gibt viele Sachen zu sehen und man wird von Eindrücken überhäuft. Dennoch hat mich der Leuchterfuß mit Drachen auf den Füßen, aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, gecatcht. Dieses Stück ist mir sehr aufgefallen, durch die filigrane Arbeit und außergewöhnlichen Mustern. Aufgrund dessen ist dieses Objekt mein Lieblingsstück um das es heute in diesem Artikel geht.

Zunächst erstmal: Wie sieht mein Leuchterfuß eigentlich aus und woher kommt er? Der Leuchterfuß, hat eine Höhe von 5,8 cm; eine Breite von 10,0 cm und eine Länge von 10,0 cm, somit ist er circa eine Handbreite groß. Zudem besitzt er ein Gewicht von 158,9 g. Er hat eine schimmernde braune/bronzene Farbe, mit grünen Flecken. Durch diese grünen Partien, kann man schließen, dass der Leuchterfuß aus Bronze besteht, denn nur bei Bronze entstehen diese, durch eine chemische Reaktion mit der Luft. Diese grünen Stellen werden auch Grünspan genannt. Über die Form lässt sich sagen, dass er drei Füße besitzt, auf denen jeweils ein kauernder und mit dem Kopf eingezogener Drache sitzt. In den Zwischenräumen der Füße, befindet sich ein verschnörkeltes/gewundenes Muster. Man könnte möglicherweise in diesem Muster einige Klauen von Drachen erkennen. Der Ansatz des Dornes, auf welchem die Kerze steckte ist noch erhalten. Datieren lässt sich der Leuchterfuß in die Mitte des 12. Jahrhunderts.

Foto der St.Ludgeri Pfarrkirche, Fundort des Leuchterfußes. Aufgenommen aus der Froschperspektive. (Urheber: Wikimedia Commons und Fotograph: Roland Geider)

Herkunft der Drachen?

Während der Zeit des Hochmittelalters, also im Jahr um 1150, wurde der Stadtumfang der Stadt Münster erweitert. Aufgrund von wachsenden Einwohnerzahlen erhielt Münster 1170 das Stadtrecht. Durch die Bischöfe in Münster sind zudem neue Pfarreien, wie die St. Ludgeri. entstanden, welche als Stadtpfarreien dienten. Der älteste Nachweis der Kirche wird in das Jahr 1173 datiert. Mein Lieblingsexponat, der Leuchterfuß wurde in dieser Pfarrkirche, St. Ludgeri, gefunden. Diese Kirche ist eine der ältesten katholischen Gotteshäuser im westfälischen Münster. Um das Jahr 1180 entstand der erste Bau der St. Ludgeri aus Holz, im Stil der Romanik. Sie ist im grundlegenden erhalten und somit sind bei der Fertigstellung der Pfarrkirche um 1220 das Mittelschiff und die Seitenschiffe gleichgeblieben.    

Wer braucht es und wozu?

Der Kerzenleuchter, war im Mittelalter ein wichtiges Beleuchtungsmittel. Da es natürlich zu der Zeit noch kein elektrisches Licht gab, hat man am Tag auf die Sonne und bei Nacht auf die Kerzen vertraut. Da die Nacht mit der Kälte kommt, dienten die Kerzenleuchter auch als Wärmequelle gegen diese Kälte. Aber wozu braucht man nun Licht in der Nacht? Zunächst dachte ich, dass sie das Licht bei Gottesdiensten brauchen um die Texte der Lieder oder Gebete lesen zu können, aber das Licht wurde zum Zweck der Orientierung verwendet, da die Gläubigen zu der Zeit die Lieder und Gebete auswendig konnten.

Kerzen und deren Leuchter waren hauptsächlich dem Adel, dem Klerus oder der Kirche vorbehalten. Sie besaßen Kerzenleuchter aus vergoldetem Kupfer oder Bronze, aber das wirklich teure und wertvolle, waren die Kerzen. Es gab auch Leuchter aus andern Materialien, wie Beispielsweis Holz, die sich die unteren Gesellschaftsschichten auch leisten konnten, aber sie konnten sich keine Kerzen leisten. Au diesem Grund, besaß die sie häufig weder Leuchte noch Kerzen. Er wurde vor allem in Kirchen verwendet bei Gottesdiensten oder Messen, wo er meist auf dem Altar stand.

Darstellung von Christus Sieg über den Drachen (Das Böse). Krönung als Held oder Retter von den Engeln. (Urheber: Wikimedia Commons und veröffentlich vom Rijksmuseum)

Blick hinter die Fassaden

Die Kerze allein hat im symbolischen Sinn eine prägende Bedeutung. Sie symbolisiert Christus, der dem christlichen Glauben nach, sein Leben für die Welt und die Menschen geben hat und ihnen somit Rettung gebracht hat. Sie symbolisiert aber auch die Liebe zwischen Menschen. Wenn jemand sich selbst zurücknimmt und Kranke oder Schwache aus diesem Verzicht Leben schöpfen können. Auch der Leuchter besitz eine wichtige Bedeutung. Er erhellt mit der Kerze den Raum und drück somit Festlichkeit und die Ehrung Christi aus. Durch die künstlerische Qualität, wie Gestaltung und der Kostbarkeit des Leuchterfußes, soll das Licht gewürdigt werden, denn das Licht stellt etwas Großes und Unfassbares dar. Zudem wird sich das Licht in der christlichen Glaubensvorstellung, als lebenspendende Kraft vorgestellt.

Was haben diese Bedeutungen nun mit meinem Leuchterfuß zu tun? Zunächst gibt es noch die Symbolik des Drachens. Diese symbolisiert das Chaos, den Feind und Satan (den Teufel), während wie erwähnt die Kerze Christus symbolisiert. Also lässt sich über den Leuchterfuß sagen, dass Christus triumphierend über den Drachen, also Satan steht. In der Darstellung hat er das Böse besiegt und die Drachen kauern vor ihm vor Angst. Er hat die Menschen vor dem Teufel gerettet. Die Darstellung des Drachens als Verkörperung des Bösens und Christus der den Drachen besiegt ist auch häufiger zu finden. Wie beispielsweise dieser Druck, welcher auch Christus zeigt, der auf einem toten Drachen steht. Demnach hat er die Menschen gerettet und wird nun als Held oder Retter von den Engeln gekrönt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Leuchterfuß eine wichtige Bedeutung im Hochmittelalter hatte. Die künstlerische Darstellung drück viel über den Glauben und die Religion der Menschen aus dieser Zeit aus. Da die Kerze für Gläubige eine bedeutende Symbolik besitz, stellte man sie auf einen kostbaren Leuchter um sie zu würdigen. Aufgrund der Bedeutungen hinter dem Licht, der Kerze und dem Leuchter, nutzt man auch heute noch einen Kerzenleuchter in der Kirche anstelle von kaltem elektrischem Licht.

Literaturverzeichnis:

Literatur:

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S. Leenen; J. Mühlenbrock, aberGlaube – moderne Kunst trifft archäologische Funde in Archäologie in Westfalen–Lippe 2015, S.285

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U. Ragacs / R. Berger, Leuchter in: Lexikon für Theologie und Kirche (Band 6), Hrsg: W. Kasper, S. 859-860 (Freiburg, 2009)

B. Fischer, Kerzen, in: Lexikon für Theologie und Kirche (Band 5), Hrsg: W. Kasper, S. 1411-1412 (Freiburg, 2009)

Mittelalter Wiki: Kerzenleuchter. Online verfügbar unter: https://mittelalter.fandom.com/de/wiki/Kerzenleuchter . Letzter Zugriff: 30.06.2022

Kinderzeitmaschiene: Wer waren eigentlich die Ketzer? . Online verfügbar unter: https://www.kinderzeitmaschine.de/mittelalter/spaetmittelalter/lucys-wissensbox/aberglaube-und-hexerei/wer-waren-eigentlich-die-ketzer/ . Letzter Zugriff: 30.06.2022

Minden-Magazin: Starkes Symbol mit tiefer Aussagekraft. „Mindener Leuchter“ aus dem Kloster Helmarshausen? . Online verfügbar unter: http://amtage-tele.com/mindener-leuchter.html . Letzter Zugriff: 30.06.2022

Kunst & Ambiente: Pflegehinweis für Bronzefiguren und Skulpturen. Online verfügbar unter: https://www.bronze-shop.com/pflegehinweise . Letzter Zugriff: 30.06.2022

Zeit-Online / J. Fried: Kampf um den rechten Glauben. Online verfügbar unter: https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2014/03/religion-ketzerei-mittelalter/komplettansicht . Letzter Zugriff: 30.06.2022

Wikipedia: St. Ludgeri (Münster). Online Verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/St._Ludgeri_(M%C3%BCnster) . Letzter Zugriff 30.06.2022

 

Abbildungen:

Abb. 1: Cornelia Moors, LWL-Archäologie

Abb. 2: R. Geider. St. Ludgeri Church – Münster. Online Verfügbar unter: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?search=St.+Ludgeri+%28M%C3%BCnster%29&title=Special:MediaSearch&type=image . Letzter Zugriff: 30.06.2022.

Abb. 2: Rijksmuseum – Christus steht auf Drache (Wikimedia Commons)